Vietnam. Ein Land, drei Welten.

Sapa

Auf dem Weg zu ihrem Haus fragt mich Mao, mein Gastmami, ob ich Feuer machen könne. Noch während ich „Das sollte ich hinkriegen“ sage, überkommt mich so ein Gefühl, den Mund jetzt vielleicht doch etwas zu voll genommen zu haben. Denn normalerweise wenn ich im Winterthurer Lindberg-Wald ein Feuer mache, dann benutze ich diese praktischen Brennwürfel vom Migros.

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Wandern mit Mao und dem Nebel

Mao wohnt mit ihrem Ehemann und ihren vier Kindern in einem Häuschen, mitten in den Reisterrassen. Eine primitive Angelegenheit, das Haus hat weder Fenster noch eine Heizung. Es ist etwa 12 Grad kalt, die Luft feucht, ich trage alle Kleiderschichten die mein Rucksack zu bieten hat. Ein Wohnzimmer hat es nicht. Nur eine Küche, mit ein paar kleinen Plastikhocker. Die Wände sind schwarz vom Feuer. Ach ja, Feuer muss ich ja machen. Natürlich hat es weder Brennwürfel noch Zeitungen. Trotzdem habe ichs hingekriegt, ha! Meine militärische Ausbildung war also doch nicht ganz für nichts. Über das Feuer werden zwei Eisenstangen gelegt, darauf wird ein grosser Topf gestellt. Es gibt Reis heute.

Ich bin in Vietnam, ganz im Norden des Landes, grenznah zu China. Der nächst grössere Ort heisst Sapa. Mao bietet ihr Haus als Homestay an, wo Reisende in dieser doch viel besuchten Gegend unterkommen können. Mao wohnt zwar in Vietnam, sieht aber nicht aus wie eine Vietnamesin, spricht auch eine andere Sprache, die Sprache der „Mon“. Wie in Myanmar leben auch in Vietnam verschiedene Völker, im ganzen sind es 54 verschiedene Ethnien, die acht Sprachen sprechen. Mao`s Volk heisst „Mon-Khmer“. Mao ist nicht nur mein Gastmami, sie ist auch mein Guide. Zusammen laufen wir ein paar Stunden ins nächste Dorf, es gehört zu der „Tai“-Ethnie (hat nichts mit Thai zu tun), hier wird bereits eine komplett andere Sprache gesprochen, die Menschen tragen eine ganz andere Kleidung. Die Frauen rasieren sich hier den Kopf glatt, setzen sich ein rotes Tuch auf, oder eher Kombination von Tuch und Hut. Ein ungewohnter Anblick. Mit diesen Leuten müsse sie Vietnamesisch sprechen, sagt mir Mao. Die meisten dieser Bergvölker können sich untereinander mit Vietnamesisch mehr oder weniger verständigen. Lebensgrundlage ist der Anbau von Reis und die Touristen. Viele Familien bieten ihr Zuhause wie Mao als Homestay an, und zeigen den Reisenden dann auch die Gegend als Guide.

So laufe ich mit Mao durch die Reisterrassen von Sapa. Wenn ihr das mal googelt, dann sieht das anders aus, wie ich es sehen darf. Wenn man ein Jahr reist, dann erwischt man bei einigen Regionen den richtigen Moment, bei anderen, nicht. Der Reis wird im Mai gesät, von Juni bis September sind die Terrassen dann schön grün. Der Rest der Zeit, sind sie braun. In meinem Fall regnet es auch noch fast ununterbrochen, die Terassen sind also mit braunem Schlammwasser gefüllt. Dicker Nebel verhindert zudem den Ausblick in die schönen Täler. So ist das Reiseleben, das Timing stimmt nicht immer.

Was mir aber bleibt ist Mao und ihre Familie. Zwei Tage durfte ich bei diesen herzensguten Menschen leben. Menschen die noch nie etwas mit Internet zu tun hatten, ihr Dorf noch nie verlassen haben. Wirklich, die waren noch nie fort! Ich fragte Mao, wie das sein kann. „Warum denn?“, fragt sie mich zurück. „Es gibt keinen Grund warum ich mein Zuhause verlassen sollte. Ich habe alles hier was ich brauche“. Wir sind beide 30 Jahre alt, haben den selben Humor, sind sarkastisch, lachen gerne laut raus. Mao ist die Beste!! Ich finde es besonders schön, dass sich Menschen so gut verstehen, deren Leben so anders ist.

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Meine Gastfamilie

 

Töfftour

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Can you give me a ride?

Bis jetzt habe ich nicht viel gesehen von der Nordvietnamesischen Landschaft. Das ändert sich nun: Ich habe einen Töff gemietet und erkunde den nördlichsten Teil des Landes. Vorbei an Vietnamesischen Bergdörfern, grünen Berge und spektakulären Felsen. Die Superlativen sind aufgebraucht, ich lasse darum die Bilder sprechen…

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Saigon – Andere Welt

Auch Ho-Chi-Minh-City (Saigon) ist in Vietnam. Die 8-Millionen Metropole liegt im Süden des Landes und hat mit dem Lebensstiel der Völker im Norden nun wirklich gar nichts mehr zu tun. Wolkenkratzer und fancy Restaurants, Verkehrschoas und Smog. So sitze ich hier oben in der Skybar eines Wolkenkratzers, zahle umgerechnet zwölf Franken für ein Cocktail und werde Zeuge von einem tollen Sonnenuntergang. Die Skyline verwandelt sich langsam in eine Lichterkette. Ho-Chi-Minh-City ist das Modernste was Vietnam zu bieten hat. Und trotzdem könnte die Stadt asiatischer nicht sein: Es riecht nach Undefinierbarem, der Verkehr ist der absolute Wahnsinn und überall gibts Streetfood. Die Trottvoir sind besetzt mit Tischen und Stühlen der Beizen. Der Fussgänger hat also die Wahl, will er durch Restaurants laufen oder auf der Strasse. Dort herrscht aber der blanke Wahnsinn. Auf Vietnamesischen Strassen passieren Dinge, das glaubt man erst wenn mans gesehen hat. Der Schweizer Autolenker schaut nach rechts und links und fährt wenn nichts kommt. Der Thailänder schaut, huupt und fährt. Der Burmese schaut nicht, huupt dafür und fährt dann. Der Vietnamese schaut nicht, huupt nicht, er fährt einfach. Jedes mal wenn ich in ein neues Land komme, bin ich überzeugt, schlechter kann man ein Fahrzeug nicht lenken. Jedes mal darf ich erfahren: Es geht. Willkommen in Vietnam.

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Ho-Chi-Minh-City (Saigon)

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Die Sonne erwischt

Ganz toll an Ho-Chi-Minh-City sind die kleinen Gässchen. Hier werden Wohnblöcke extrem nah aneinander gebaut. Dabei entstehen Gässchen, nicht breiter als drei Meter. Und auf diesen drei Meter findet ein völlig verrücktes, aber lebendiges Quartierleben statt: Die Metzgerin preist ihr vor Fett triefendes Fleisch an, die Güggeli hangen am Kopf aufgespiesst am Fleischerhacken. Daneben sitzt der Coiffeur, er werkelt munter an einem Kopf herum, ich möchte dort nun nicht sitzen. Denn viel sieht dieser Coiffeur nicht, denn die Sonne scheint höchsten eine halbe Stunde pro Tag in die kleine Gasse, sonst ists schattig. Immerhin ist es nicht so heiss. Tief Asiatisches Leben in den Gassen neben Starbucks und PizzaHut. Eine verrückte Stadt, die ein-zwei Tage Spass macht, danach aber schnell frische Luft braucht.

 

Cat Ba-Island – Nochmals eine andere Welt

Nun bin ich bei Menschen, die einen speziellen Ort gewählt haben, um ein Leben zu führen. Sie sind auf dem Wasser zuhause. Tatsächlich, dieses Volk lebt auf dem Meer! Ihre Häuser schwimmen, sind am Meeresgrund befestigt. Ich bin auf einer zweitägigen Bootstour, bei der bekannten Halong Bay. Die Cat Ba-Insel ist umgeben von einer spektakulären Felslandschaft. Und von diesen Felsen geschützt, leben die Menschen in richtigen Dörfern. Logischerweise verdienen die meisten Menschen hier ihr Geld vom Fischfang, vor ihren Häusern haben sie Netze gespannt. Es gibt aber auch Läden, Coiffeur oder kleine Beizen in den Dörfern, alles auf dem Wasser.

Unser Kapitän wirft Anker, der Tag neigt dem Ende zu, Abendrot zieht auf, die Lichter der schwimmenden Häuser gehen an. An unserem Nachtplatz sind wir umgeben von grossen Felsbrocken und eben den schwimmenden Dörfern. Es ist wieder so ein Moment, der nicht beschreibbare Wahnsinn, es ist einfach so unglaublich speziell, atemberaubend schön hier. Es sind mir die beschreibenden Wörter ausgegangen. Auf Englisch würde ich das als „mind-blowing“ bezeichnen. Es stellt mir die Haare auf, es läuft warm den Rücken runter, ein unglaubliches Glücksgefühl. Und es ist der Moment – ich stehe immer noch auf Deck und bestaune den wahnsinnigen Sonnenuntergang – an dem ich zum ersten Mal so richtig sentimental werde. Mein Jahr als Reisender geht bald zu Ende. Der Gedanke daran, löst eine kleinere Gefühlsexplosion aus. Gleichzeitig habe ich dieses Bedürfnis, zum Schluss noch etwas Verrücktes zu tun.

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Cat Ba-Bay

Ein Tag danach: Der Flug nach Perth, Westaustralien ist gebucht. Ich werden die letzten knapp drei Wochen in Australien verbringen!! Nach dem Buchen, wurde ich Zeuge des krassesten Sonnenuntergangs meines Lebens…

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Cannon Fort – Cat Ba-Island – Vietnam

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Cannon Fort – Cat Ba-Island – Vietnam

Anders, anderster, der Burmese

Das Zahnbürsteli hat in Myanmar einen kleineren Stellenwert wie bei uns. Wenn der Burmese lacht, dann hat das Gegenüber einen kulinarischen Wochenrückblick zu bestaunen. Wer genau hinschaut, hat die Gelegenheit zwischen den Essensresten noch so etwas wie Zahn zu entdecken. Das Zahnfleisch hingegen hat sich bei vielen bereits aufgelöst. Die meisten noch verbliebenen Zahnteile sind bei vielen – vor allem Männern – schon völlig schwarz. Ich frage mich amix sogar, sind das noch Essensreste oder ist der Zahn schon mause. Die Zähne die noch sind, sind meistens rot gefärbt. Das liege an der Betelnuss, sagt mir Aung.

Nationaldroge

Blutrote Flecken auf den Strassen und Trottvoirs, als wären alle zwei-drei Meter eine Sau geschlachtet worden. Das in ganz Myanmar. Grund: Das „Betelkauen“, so wird es auf Deutsch genannt und wird vor allem in Myanmar und Indien konsumiert. Überall kann man sie kaufen, die in ein Blatt gefaltete und mit Gewürzen verfeinerte Betelnuss, der sogenannte „Betelbissen“. Die Männer stecken sich diesen in den Mund, kauen dann stundenlang darauf herum. Dabei wird der Speichelfluss angeregt, dieser verfärbt sich durch die Betelnuss rot. Diese überflüssige Sauce wird dann entweder in einen Plastiksack, in eine leere Petflasche oder einfach auf den Boden entlassen. Der absolute Horror ist es dann, wenn mir einer aus Versehen das Zeugs auf meine Schuhe spuckt, es stinkt nämlich tödlich und geht fast nicht mehr weg. Darum hat nun einer meiner Schuhe einen leichten Rotstich. Noch schlimmer ist es aber, wenn einer mit dir spricht, und das gruusige Zeugs noch im Mund hat. Es klingt dann jeweils so, wie wenn man während dem Zähneputzen spricht, und ab und zu fliegt ein rotes Tröpfchen zu mir rüber. Dann suche ich jeweils sehr schnell das Weite. Im Internet wird gestritten ob es nun ein Genussmittel oder eine Droge ist. Klar ist, es erregt das vegetative Nervensystem, man wird also leicht high. Mein Burmesischer Freund Aung, nimmt es nur ab und zu: Zum Roller fahren nehme er immer so ein Betelnuss-Päckchen, allgemein im Verkehr sei es sehr verbreitet, sagt mir Aung in einer Selbstverständlichkeit, bei der ich nicht so recht weiss, soll ich das nun lustig finden oder ganz einfach etwas verrückt. Es beruhige, man hätte dann mehr Geduld im Verkeh, meint Aung. Was würde Obelix dazu sagen?

imageAber nicht nur im Mundbereich, auch sonst hat die Hygiene beim Burmesen wenig Priorität. Der Burmese schmatzt, furzt und rülbst. Hauptsache schnell raus mit der Luft, die es drinnen nicht mehr braucht. Vollgas. Im Tempel, auf der Strasse oder im Restaurant, gibim, raus. In einem Tempel hat mal einer so richtig mit Nachdruck gefurzt, niemand regt sich. Man stelle sich vor, da würde in der Migros in der Kassenkolonne oder in einer Kirche beim Gottesdienst einer vollgas geben. Die Menschen würden sich in einer peinlich berührten Betroffenheit, ja Verstörtheit anschauen, es wäre herrlich. Ich sehe das Schweizer Bünzligesicht vor mier: „Spinned sie eigentlich, das machtmer doch nöd!“ In Myanmar dreht sich niemand um, es ist ganz einfach völlig normal. Man würde es nicht meinen, aber man gewöhnt sich fast ein bisschen daran.

Und dann bin ich wieder beim leidigen Thema, dem Verkehr. Der Burmese fährt wie die Fledermaus fliegt: Er schaut nicht, er huupt. Der Burmese huupt dann, wenn er denn anderen Verkehrsteilnehmer um sich herum mitteilen will: „Hallo ich komme, und ich komme schnell.“ Grundsätzlich geht der Burmesische Automobilist davon aus, dass der andere ausweicht, wenn er kommt. Dumm ist es dann, wenn alle so denken. Besonders lästig finde ich es, wenn so ein Tubel im Auto von hinten kommt, und mich dann voll Rohr fast in die Bewusstlosigkeit huupt. Das weckt bei mir amix so ein fast beängstigendes Bedürfnis, einen Fadengraden zu platzieren. Trotzdem muss ich sagen, wenn ich mit dem Scooter im Burmesischen Verkehr unterwegs bin, huupe ich fast am meisten von allen. Manchmal komme ich mir vor wie eine fahrende Sirene. Nur so, fühle ich mich wenigstens ein bisschen sicher. Interessant ist auch das Verkehrssystem in Myanmar. In der Schweiz ist das Steuerrad auf der linken Seite montiert, man fährt auf der rechten Strassenseite. In Thailand ist das umgekehrt: also das Steuerrad ist rechts, man fährt auf der linken Strassenspur, wie in England unter anderem. Dann gibt es die Spezialisten unter den Fahrzeuglenker, es sind natürlich die Burmesen: Ihre Auto haben das Steuerrad auch rechts montiert, sie fahren aber ebenfalls auf der rechten Strassenspur. Wenn man also von Thailand über die Grenze fährt, muss man abenteuerlich die Spur wechseln, ein unterhaltsames Verkehrsschauspiel. Wenn der Burmese also auf der rechten Seite am Steuer sitzt, und auch auf der rechten Spuhr fährt, dann stellt das den Lenker dann vor eine Herausforderung, wenn er überholen will. Denn er sieht die andere Spur nicht. Bis er dann so weit ausschwenkt bis er etwas sieht, steht sein Wagen bereits auf der anderen Strassenseite, was nicht nur zu halsbrecherischen, sondern zu lebensgefährlichen Ausweichmanöver führt. Ich habe nicht herausgefunden, warum zum Hänker diese Burmesen auf der rechten Seite fahren, aber sie machens, vielleicht auch nur zum anders sein. Wie auch sonst einfach alles etwas anders ist in diesem Land.

imageUnd auch gerade darum, werde ich ihn vermissen, den Burmesen. In seinem Land habe ich einige Auf und Abs erlebt, jetzt nicht persönliche, mir gehts ausser Verdauungsproblemen blendend. Aber vor allem die Prioritätensetzungen der Regierung – siehe den letzten Beitrag „Myanmars Grössenwahn“ – haben mich nachdenklich gestimmt, die Stimmung ab und zu etwas getrübt. Das ist die eine Seite. Ich habe aber Grossartiges erlebt: Die Zeit mit Aung – siehe Beitrag „4 Tage mit Aung“. Zu sehen, wie diese Dörfer im Niemandsland zusammenhalten. Trotz fehlender Unterstützung und dem unerfüllten Wunsch unzähliger Eltern, nach einer Schulbildung für ihre Kinder, dass sie es vielleicht mal „weiter“ bringen als sie, machen die Menschen einen zufriedenen, unbeschwerten Eindruck. Das hat mich tief beeindruckt, eine äusserst wertvolle Erfahrung.

Nun, Myanmar ist für mich bereits Geschichte. Die letzten Tage durfte ich am Inle-See verbringen. Der See – er ist etwas grösser wie der Zürichsee – ist eingebettet in einer Hügellandschaft. Auf diesem See leben Menschen, in mehreren Dörfern haben sie ihre Stelzenhäuser aufgestellt. Nun, manchmal ist es schwierig zu erklären warum, aber irgendwie ist es mir nicht so eingefahren. Es ist ziemlich touristisch, vielleicht ist das ein Grund. Mir fehlte irgendwie das Authentische. Hunderte Touristenboote kurven da jeden Tag auf diesem See herum, werden von Laden zu Laden geführt, eine Art Shoppingtour. Die auf dem See lebenden Menschen sind Fischer und Handwerker, sie bearbeiten Holz, Metalle und Lotus. Natürlich kann man mit vielen Reisenden dabei sein, wie die Kleidungsstücke und schönen Staubfänger gefertigt werden. Das mit teils uralten Maschinen, so wie bei uns vor hunterten von Jahren. Das Ganze wurde aber komerzialisiert, man merkte, da ist was zu holen bei den Touris: Ein Schal aus Lotus kostet über 100 Franken. Auch der Schmuck aus Teak-Holz ist überteuert.

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Posieren fürs die Touris

Für ein Paar Stäbli als Besteck wollen die bereits bis zu 10 Franken. Schon fast etwas unanständig. An den Häusern sind überall grosse Werbeblachen für Bier angebracht, das killt einfach den letzten Funken Authentizität, schade. Wenn man auf den See fährt, stehen unechte Fischer bereit, präsentieren zuerst den speziellen Ruderstiel mit dem Fuss, dann posieren sie mit einem toten Fisch in der Hand für die Kameras. Und dann, logisch, wollen sie Geld. Ich bin sicher vor zehn Jahren wäre das mehr eingefahren. Klar, es ist auch beeindruckend, wie diese Menschen auf dem See leben. Auch landschaftlich liegt der Inle-See sehr schön.

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Love you girls!! 🙂

Was für mich aber das Highlight vom Inle-See war, waren Sarah und Kate aus Schottland und England. Wir haben uns in Bagan kennengelernt und rasch gemerkt, dass da vieles stimmt. Zum Glück hatten wir danach das gleiche Ziel. Das habe ich noch gar nie erlebt, nach so kurzer Zeit so much love… Wir sind ein super Team..konnte über alles sprecher, tiefgründig, stundenlang, gopf ich habe euch so verdammt gerne bekommen. Sarah und Kate wohnen im kleinen Städtchen Vung Tau, ganz im Süden von Vietnam, arbeiten dort als Englischlehrerinnen. Eine Freundschaft, bei der ich ganz einfach weiss, dass sie hält.

Halten tut auch die Freundschaft zu Aung und die Begeisterung für die Burmesen. Tschau Myanmar, es war toll, ich komme wieder.

Meine Reise geht weiter, zuerst zurück nach Bangkok ins Spital. Ich habe eine Lebensmittelvergiftung, muss diese auskurieren. Ich hatte wenig Lust, ein burmesisches Spital von innen zu sehen. Das führt nun auch zu einer Planänderung: Ich verzichte auf die Südthailändischen Inseln und Malaysia, habe einfach keine Lust auf Strand. Dafür werde ich nach Vietnam reisen. Ganz zufällig ist das nicht :). Freu mich!!

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Burmesische Schulkinder. Mein Lieblingsbild ever…

Myanmars Grössenwahn

Sie sind überall: Pagoden, Tempel, Buddhas, auch irgendwo im Nichts wo niemand lebt, die Buddhas sind da. Auf jedem zweiten Hügel überragt eine goldene Pagodenspitze die Bäume. Das sieht schön aus, macht die Landschaft speziell, mystisch, aber ich frage mich, ist das sinnvoll?

Buddhawahn

imageEtwas ausserhalb von Hpa-An, ganz im Osten Myanmars, gibts eine Höhle mit Zehntausenden Buddhas drin: Sitzende Buddhas, liegende Buddhas, grosse, kleine, goldene, weisse, aus Keramik geformte, aus Holz geschnitzte und in die Felswand gemeisselte..es hört nicht auf. Nach dem Glauben der Einheimischen hat Buddha hier in einem seiner vielen Leben in Gestalt eines weissen Elefanten gelebt, darum wird er so gehuldigt. Ich frage einen Mönch, warum es hier in dieser Höhle denn so viele Buddhas hat: „Je mehr desto besser“, antwortet er amüsiert. Wie auch immer, hinter diesen Buddhas stecken Hunderttausende Stunden Arbeit. Sinnvoll investierte Zeit?

Weiteres Beispiel: Etwas südlich von Mawlamyine, im Südosten des Landes, liegt der grösste liegende Buddha der Welt: Er hat acht Stockwerke, 182 Räume, ist 34 Meter hoch und sagenhafte 180 Meter lang. Zum Vergleich: der Zürcher Primetower ist gerade mal knapp 130 Meter hoch. Es war eine Vision des Mönches „Badanda U Kay Tara“, der hier unglaublich verehrt wurde. Letztes Jahr ist er im Alter von 94 Jahren verstorben. Seine Leiche wacht immer noch über sein Werk, sie wurde haltbar gemacht und ist im Liegenden Buddha, im Schneidersitz sitzend, in einem Glassarg ausgestellt. 94-jährig ist hier übrigens biblisch, die Lebenserwartung des Burmesischen Mannes liegt nur gerade bei 64 Jahren. Nun, seine Idee, sein Werk, ist der grösste liegende Buddha der Welt, ist also bereits ein Rekord. Ich finde das etwas grössenwahnsinnig. Klar, der Mensch hat gerne Rekorde, will gerne den Grössten haben, da habe ich ein gewisses Verständnis. Sieht auch wirklich faszinierend aus, wenn da plötzlich ein riesen Buddha in der Landschaft liegt! Was ich aber nicht nachvollziehen kann: Auf der gegenüberliegenden Seite ist bereits der neue, grösste liegende Buddha der Welt im Bau, er wird 240 Meter lang. Das ist wie wenn man zwei Primetowers aufeinander stellen und dann ablegen würde. Die beiden Riesen können sich gegenseitig anschauen. Finanziert wird das Ganze von der Bevölkerung, die dafür spendet. Sinnvoll ausgegebenes Geld?

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Ich bin spirituell, glaube an eine höhere Macht, halte aber wenig von Religionen. Sie sind für zu viel Leid verantwortlich. Warum soll gerade eine dieser abenteuerlichen Geschichten stimmen? Ich finde aber den Buddhismus sympathisch, empfinde Buddhas Ausstrahlung irgendwie lieb, friedlich. Der Aufenthalt in Tempel erlebe ich als etwas Schönes, es fühlt sich spirituell, energieladend an. Ich weiss nicht warum, aber in einer Moschee ist mir das noch nie passiert. Im Buddhismus gibts bestimmt auch keine heiligen Schriften, in der man Steinigung interpretieren muss. Nächstenliebe sei im Buddhismus das Wichtigste, erklärt mir ein Mönch. Zu uns Reisenden sind die Buddhisten besonders lieb, sie bewundern, verehren uns zum Teil sogar. Klar wir sind für sie etwas Spezielles, exotisch. Der Hauptgrund sei aber ein anderer, erzählt mir ein Mönch bei einem Tempel in Mrauk U: Wir hätten ein gutes Leben, viel Geld und seien in einem reichen Land geboren worden. „Its not just luck!“, das sei nicht einfach Glück, betont der Mönch mit gehobenem Zeigefinger. Wir seien im letzten Leben gute Menschen gewesen, das sei nun die Ernte: „You get what you give“, danach lebe der Buddhist.

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Yangon

Man merkt, dass die Menschen hier versuchen gute Menschen zu sein. Mit der Hoffnung, es besser zu haben im nächsten Leben. Das gibt den Menschen Hoffnung, Halt, es hilft, auch unter erschwerten Bedingungen ein glückliches Leben zu führen. Gegen das kann man weiss Gott nichts haben. Aber ginge das, dieses Ausüben einer Religion nicht auch mit etwas weniger Prunk? Etwas weniger Grössenwahn? Auf jedem zehnten statt zweiten Hügel eine Pagode, hundert statt hunderttausende Buddhas in einer Höhle, das Gold auf den Pagoden alle fünf statt zwei Jahre restaurieren. Ich meine das natürlich symbolisch. Denn das Geld das die Regierung, die Bevölkerung für ihre Religion ausgibt, muss unermesslich sein. Sogar wenn Myanmar ein reiches Land wäre, fände ich den finanziellen Stellenwert ihrer Religion etwas gar präsent. Aber Myanmar ist arm, ein Entwicklungsland.

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Goldene Pagode im Niemandsland

Als ich mit Aung im Ayeyarwady-Delta südlich von Pathein unterwegs war, – siehe Beitrag „Vier Tage mit Aung“ – sind wir durch dutzende kleine Dörfer gefahren, überall stehen vergoldete Tempel und Pagoden, mit prunkvollem Interior, riesen Buddhas, bis ins kleinste Detail verzierten Säulen mit Schnitzerein. Eine Schule haben aber all diese Dörfer nicht, Kinder müssten weit weg, nur schon um die Primarschule zu besuchen. In diesen Dörfern wo es dann eine Primarschule gibt, werden Kinder bereits im Alter von neun Jahren von ihren Familien weggerissen, damit sie in stundenweit entfernten, grösseren Dörfern weiter zur Schule gehen können. Aber die meisten Familien können das gar nicht finanzieren. Kurz: In ärmeren Gebieten Myanmars ist Bildung inexistent oder auf einem sehr tiefen Niveau. In Myanmar geht nur jedes fünfte Kind länger als vier Jahre zur Schule. In ländlichen, ärmeren Gebieten sind es noch viel weniger. Aung hat mir in einem abgeschiedenen Dorf eine Schule gezeigt, die von einer Hilfsorganisation finanziert wurde. An diesem Morgen war gerade Englischunterricht. Ein Westlicher ist auf Besuch in ihrer Schule, ein Riesenhappening. Ich werde freundlichst begrüsst, der Lehrer fragt mich nach meinem Namen und meiner Nation und stellt mich dann vor der Klasse vor. Ich bin zuerst begeistert von der positiven Stimmung in der Schule und den herzigen Kindern. Dann will ich vom Lehrer noch ein paar Sachen wissen, aber ein Gespräch kommt nicht zustande. Ein Englischlehrer der kaum ein Wort Englisch spricht. Das sei das nächste Problem hier in dieser Region, meint Aung: „Schüler die es durch das ganze Schulsystem schaffen, gehen danach studieren in Yangon, oder machen sonst eine gescheite Ausbildung.“ Aber zurück aufs Land kämen die dann nur als Gast wieder, um ihre Familien zu besuchen, oder verdienen zuerst viel Geld und nehmen die Familie dann gleich mit, in ein „besseres“ Leben. Kurz: Es herrscht in diesen ärmeren Gebieten nicht nur akuter Schulmangel, sondern es fehlt auch an ausgebildetem Lehrpersonal.

Die andere Seite – der Grössenwahn

Es war einmal ein kleines Dorf irgendwo in der Mitte Myanmars, es heisst Kyet-Pyay. Plötzlich werden dort heimlich prunkvolle, weisse Regierungsgebäude, Pärke mit künstlich angelegten Seen, Golfplätze und Hotels gebaut. In den frühen Morgenstunden des 6. November 2005 setzen sich dann über 600 Militärlaster von der Hauptstadt Yangon in Richtung Kyet-Pyay in Bewegung – der Beginn eines historischen Umzugs. Das Dorf wurde zu Nay Pyi Taw – Königliche Stadt – unbenannt und zur neuen Hauptstadt erklärt. Grund: Yangon, die mit über fünf Millionen Einwohnern mit Abstand grösste Stadt Myanmars, sei zu exponiert. Yangon liegt am Fluss, ist daher vom Meer aus zu gut erreichbar. Nay Pyi Taw liegt in einem Thal, umgeben und geschützt von kleineren Bergen. Die Ausdehnung der neuen Hauptstadt ist gigantisch, die ihr zugewiesene Fläche entspricht fast achtmal der Fläche Berlins! Die Strassen sind perfekt geteert, achtspurig und völlig frei, da gibts kein Verkehr. Eine absolut perfekte Infrastruktur, genau das, was sonst im ganzen Land fehlt, aber niemand nutzt sie. Kreiselinseln sind mit riesigen Lotusblumen verziert, in der Hotelzone warten prunkvollste Bauten im Las Vegas-Stil auf Gäste. Nay Pyi Taw, eine moderne Geisterstadt wartet auf Menschen, um durch eine höhere Einwohnerzahl an Relevanz zu gewinnen. Dafür ist der Regierung nichts, aber wirklich gar nichts zu schade. Die halten da eine Infrastruktur aufrecht, die niemand braucht, und gibt dafür wohl Unmengen von Geld aus. Das alles aus strategischen Gründen. Zur gleichen Zeit geht nur jedes fünfte Kind im Land länger als vier Jahre zur Schule. Das riecht nach einer gar abenteuerlichen Prioritätensetzung.

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Shwe Mu Taw Pagoda, Pathein

Myanmar ist in einigen Belangen auf dem richtigen Weg. Bis 2010 war das Land eine völlig abgeschottete Militärdiktatur, es gab weder Import noch Export. Dies ist nun anders, die Grenzen sind passierbar, das Land hat sich geöffnet, befindet sich unter der Friedensnobelpreisträgerin 1991 Aung San Suu Kyi als Regierungschefin offiziell sogar im Demokratisierungsprozess. Das heisst aber nicht, dass Myanmar eine geeinte Nation ist, in der alle am selben Strick ziehen, ganz und gar nicht. Zum Verständnis ein paar interessante Fakten: Myanmar oder Burma wie das Land auch genannt wird, besteht nur aus 70% echten Burmesen. Die anderen 30% bestehen aus 134 verschiedenen Ethnien, Völker die sich entschlossen haben, als Ethnie ein Teil von Myanmar zu sein. Als Burmese will sich aber keiner wissen, meint Aung. Er selber gehört zu der drittgrössten Minderheit, der „Karen“, sie machen 6% der gesamten Bevölkerung aus. Und die Karen wie auch andere grössere Ethnien halten ihre eigenen Rechte, sogar ihre eigene Armeen aufrecht, weil man laut Aung die Burmesen nicht mag, sich vernachlässigt fühlt. Kurz: Es brodelt in einem Land, das weit weg von einer vereinten Nation ist.

Eine Regierung, die militärisch-strategisch handelt, anstatt Bildung zu fördern, und ethnische Minderheiten stark benachteiligt. Man muss vielleicht sagen, dieser Hosenlupf mit der neuen Hauptstadt wurde vor der neuen Regierung, also vor Suu Kyi als Regierungschefin durchgeführt. Trotzdem, die Bevölkerung Myanmars scheint sich daran gewöhnt zu haben, sich nicht auf die Politik verlassen zu können. Und das, so habe ich den Eindruck nach vier Wochen in diesem Land, machen sie ganz gut. Ein Beispiel:

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Shwedagon Pagoda, Yangon

Obwohl nur jedes fünfte Kind länger als vier Jahre zur Schule geht, ist die Alphabetisierungsrate mit knapp 90% recht hoch. Also nur jeder zehnte kann nicht lesen und schreiben. Zum Vergleich zwei Nachbarländer: In Laos liegt die Rate bei 73%, im armen Bangladesch bei 58%. Myanmar ist sogar auf dem Niveau von China, Portugal und der Türkei. Fazit: Die Menschen in Myanmar haben es nicht einfach, sie mussten aber genau darum lernen, für sich selber zu sorgen und für einander da zu sein. In der Schweiz muss man sich wirklich blöd anstellen, wenn man zwischen die Maschen des dicht gestrickten Sozialnetzes fällt. In Myanmar gibt es kein Sozialnetz, kein Staat der dir unter die Arme greift. Hier hilft einem die Familie, und wenn es die nicht mehr gibt, der Nachbar. In Myanmar leben jeweils mehrere Generationen unter einem Dach. Das sind teils Hunderte Jahre Erfahrungen, Weisheiten, unter einem Dach, die weitergegeben werden. In der Familie in der ich mit Aung vier Tage gewohnt habe, lebt ein alter Mann, er hat keine Kinder und seine Verwandten sind alle gestorben. Für die Familie sei es selbstverständlich gewesen, den Mann bei sich aufzunehmen, sagt mir Aung. Das ganze Dorf sei ja eigentlich eine Familie.

Gedankenspiel

Gäbe es diesen Zusammenhalt heute, wenn all diese Dorfbewohner Bildung genossen hätten und wohlhabender wären? Oder braucht es ihn dann gar nicht mehr? Diese Fragen gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen die wenig haben, lieber geben, teilen, wie Menschen die viel besitzen. Reichtum kann Habgier und als Folge Neid anderer begünstigen. Und wenn plötzlich einer im Dorf Geld hat, sich moderne Dinge leisten kann, will das der Nachbar doch auch. Ich sage nicht, dass es gut ist dass diese Menschen keine Unterstützung und Schulbildung kriegen, aber es ist zumindest der positive Effekt daraus. Ich wünsche mir, dass jedes Kind in die Schule gehen darf, die gleichen Chancen hat. Ich hoffe aber auch, dass dieser Zusammenhalt in diesen Dorfgemeinschaften für immer so bleibt.

Gefallene Königreiche

Es waren beide einmal bedeutende, internationale Metropolen. Heute sind die Orte unwichtig, eine spektakuläre Tempel- und Pagodenlandschaft zeugt aber von ihrer turbulenten Vergangenheit. Die Rede ist von Bagan und Mrauk U. Bagan ist heute DAS Touristenziel Myanmars, niemand der das Land besucht, geht nicht nach Bagan. Mrauk U hingegen – ausgesprochen MiauU – wird kaum von Reisenden besucht. In Zahlen: Während die alten Tempel von Bagan jeden Tag von über 8000 Menschen bestaunt werden, verirren sich nach Mrauk U gerade mal gut fünf Touristen pro Tag. Die Zahlen basieren auf den Eintrittsgelder. Wenn man in die Region Bagan und Mrauk U reist, bezahlt man Eintritt. Für Bagan umgerechnet 20 Franken, für Mrauk U vier Franken.

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Mrauk U

Es wird jetzt ganz kurz ein paar Linien etwas geschichtlich: Mrauk U war zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert ein Zentrum für Kunst und Handel. Eine bedeutende Metropole, dessen geschäftliche Beziehungen bis nach Arabien und Europa reichten. Die Portugiesen und Holländer hatten sogar ihre eigenen Viertel in der Stadt. Am Ende des 18. Jahrhundert gelang es einem burmanischen König, Mrauk U zu unterwerfen, durch Verrat. Innerhalb weniger Jahren versank das ehemals grosse Reich in der Bedeutungslosigkeit.

Etwas früher regierte die Grossmacht Bagan, das heutige Tempelareal ist das grösste Touristenmagnet Myanmars. Bagan wurde im 11. Jahrhundert bedeutsam, wuchs und wuchs und ihre Könige bauten wie verrückt Tempel und Pagoden, ein richtiger religiöser Bauboom wurde ausgelöst. Warum das Reich untergegangen ist, ist nicht ganz klar. Im meinem Guide werden die sinkenden Steuereinnahmen infolge der vielen Landschenkungen an buddhistische Klöster genannt.

Mrauk U

imageDer Rauch der noch mit Holz kochenden Menschen hängt wie ein geheimnisvoller Schleier über und zwischen den Häusern, vermischt sich mit dem Abendrot. Aus dem seichten Rauch ragen die dunklen Tempel und Pagoden in den rot-orangen Himmel. Während dahinter die Sonne um Anerkennung kämpft. Ein Schauspiel, das zu toppen sehr schwierig ist. Die vier-fünf Touristen die heute in Mrauk U sind, versammeln sich auf einem Hügel, von hier ist dieses Naturwunder am besten zu bestaunen. Es ist ruhig, ich bin überwältigt. Geheimnisvoll, mystisch, ich spüre, wie dieser Moment tief reingeht, unvergesslich sein wird. Auch weil es sich so exklusiv anfühlt, diesem Naturschauspiel haben noch nicht viele Menschen beigewohnt.

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Mrauk U

Es gibt zwei Gründe warum Mrauk U von fast keinen Touristen besucht wird. Erstens: Es ist nicht ganz einfach zu erreichen, entweder 15 Stunden mit dem Schiff oder 18 Stunden mit dem Bus. Und zweitens ist das Gebiet erst seit weniger Jahren überhaupt zugänglich für Ausländer. Auch heute ist es nicht ganz unbedenklich. Die Religionen sorgen immer mal wieder für Streit. Mrauk U liegt nah an der Grenze zu Bangladesch, einem islamischen Land. So wie ich gehört habe, kommen viele Muslime hier her, wollen, dass in diesem Teil Myanmars der Islam an Bedeutung gewinnt. Viele muslimische Familien setzen darum extra viele Kinder auf die Welt, werden dabei von islamischen Organisationen in Bangladesch finanziell unterstützt. Das finden die Buddhisten hier nicht so lustig. Traurig, aber Religionen sind nun mal die grössten Unruhestifter auf dieser Welt. Eine sticht dabei besonders raus.

Heute ist Mrauk U ein verschlafenes Dorf, dass sich zwischen Dutzenden alten Tempeln, Pagoden und zwei kleinen Seen eingerichtet hat. Die Menschen kriegen wenig Unterstützung vom Staat, sind sich selber überlassen. Auch der Tourismus wird nicht gefördert, nicht mal ein Flugplatz existiert. Genau darum ist Mrauk U aber auch so authentisch. Niedrige Häuser, Märkte, miserable Strassen. Nach Souvenirshops, fancy Restaurants und Smartphoneshops sucht man hier vergebens. Zu essen gibts nur burmesisch, eins, zwei bessere Hotels bieten Schlafplätze für den etwas anspruchsvolleren Touristen.

Bagan

Hier gibts ihn, den Luxus. Bagan hat heute nur als Myanmars Touristenmagnet Nummer 1 eine Bedeutung. Klar, die unzähligen Tempel und Pagoden haben eine grosse geschichtliche Bedeutung. Auf einer Fläche von 40km2, das ist zweimal das Stadtgebiet Basels, erstrecken sich Hunderte Tempel und Pagoden. Wenn man als Ort bedeutend wird, dann müssen Tempel, Pagoden und Buddhas her, je mehr, desto besser. Man hat wirklich das Gefühl, da hat ein Grössenwahnsiniger König gewirkt, der auf Teufel komm raus, religiöse Symbole bauen liess. Während dem Aufstieg und der Blütezeit Bagans, haben acht Könige, während etwa 200 Jahren gewirkt. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert.

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Wolken in Bagan

Der optische Unterschied zu Mrauk U: Es sind viel mehr Tempel und Pagoden, es ist holländisch flach und die meisten Tempel wurden mit rotem Backstein gebaut. Und: Eben der Tourismus. Das Dorf neben der Tempel-Landschaft heisst Neu-Bagan, und hat sich ganz dem Tourismus verschrieben. Ist auch nötig: 8000 Menschen pro Tag brauchen 8000 Betten und ganz viel Essen. Viel Infrastruktur wurde darum gebaut, in Neu-Bagan geht fast alles: Italienische Pizza essen, Zehnagel-Pedicure geniessen, rucksackweise Souvenir kaufen, alles ist möglich hier. Und überall sind Touristen aus aller Welt anzutreffen. Für mich nach den Tagen mit Aung und Mrauk U etwas Spezielles.

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Tempel von Bagan

Mrauk U hat mich definitiv mehr geflasht. Das Glück ist hier in Bagan aber auch nicht auf meiner Seite. Das Bild das man auf allen Guide-Covern sieht, ist die Bagan-Tempel-Landschaft mit den bekannten Luftballonen und dem Morgen- oder Abendrot. Ich hatte Regen, und wenns nicht regnete, überdeckten die Wolken die Sonne. Ich bin drei Tage hintereinander um fünf Uhr aufgestanden, jeden Abend um 18:00 uf einem Tempel bereitgestanden. Nichts, es war mir weder Sonnenuntergang noch Sonnenaufgang gegönnt. Trotzdem: Bagan ist natürlich spektakulär, mystisch. Tempel und Pagoden bis zum Horizont, sieht toll aus, auch wenn man nie alleine ist.

imageSo, jetzt gnüägeläts aber doch langsam mit Tempel und Buddhas… für mich gehts weiter zum Inle-See, dem zweit-grössten Touristenmagnet Myanmars. Dort leben Menschen auf dem See! Ich reise weiter mit Kate und Sarah aus England und Schottland. Freue mich!

4 Tage mit Aung

Ich sitze an einem runden, alten Holztisch, es gibt Burmesische Küche. Reis mit Fisch und Gemüse. Die essen jeden Tag das selbe. Von weitem ist das Rauschen des Meeres zu hören, wie die Wellen das Land erreichen. Regelmässig hört man Kokosnüsse, wie sie auf den Boden aufschlagen. Am Tisch wird laut geschmatzt und gerülpst, es ist völlig normal hier. Es ist dunkel, das Kerzenlicht sorgt für etwas Charme. Der Raum ist dunkel, fensterlos, nach vorne offen. Von aussen sieht das Häuschen solide aus, von innen hingegen ist es eine rustikale, primitive Angelegenheit. Als Boden wurde etwas Beton auf die Erde geschüttet, dieser dann flachgedrückt, voila. Der Tisch steht auf einer etwas erhöhten, nicht von einem ausgebildeten Schreiner gefertigten Holzkonstruktion. Die Holzlatten der Wände sind dunkel, teils schon etwas morsch. Der Raum hat den Charme eines Stalls, ist aber trotzdem irgendwie gemütlich. Auf der Karte bin ich im Niemandsland, in der Realität bei Verwandten von Aung, im kleinen, weit abgelegenen Dorf „Nathahu“.

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Aung Latt ist 36 Jahre alt und wohnt in Myaungmya, im Südwesten Myanmars. Ich treffe ihn im Bus, von Yangon, mit fünf Millionen Einwohnern Myanmars grösster Stadt, nach Pathein, der Hauptstadt des Ayeyarwady-Deltas ganz im Süden. In dieses Gebiet verirren sich nur ganz selten Touristen. Darum bin ich hier, Berichte über diese Gegend haben mich gwundrig gemacht. Hier kommen viele Flüsse zusammen, werden breiter, bis sie schliesslich ins Meer münden. Aung spricht mich an, fragt, was ich hier mache und so. Ich bin überrascht von seinem Englisch, Burmesen sprechen sonst kein Englisch. Aung ist mir schnell sympathisch, er hat eine liebe Art, einer dieser Menschen, dem man nichts Böses zumutet. Aber langsam, erste Eindrücke können täuschen, sagt mir meine kritische Stimme.

Aung meint, dass Pathein nichts besonderes sei, aber er könne mir eine wunderschöne, von Reisenden unentdeckte Region zeigen. Er zeigt mir Bilder von einem Traumstrand auf seinem Smartphone. Der Strand auf dem Bild sieht schon fast kitschig aus. Ich frage Aung, ob er mich wirklich dorthin mitnehmen könne. Ich bin mir etwas unsicher, was steckt dahinter? Was ist sein Interesse? Dauert doch die Fahrt vier Stunden auf seinem Scooter. Aung sagt: „Wenn du nicht so der Luxus-Typ bist, der warmes Wasser und ein richtiges Bett braucht, dann kann ich dir etwas zeigen, was Auswärtige sonst nicht zu Gesicht bekommen.“ Der Ort den mir Aung auf der Karte zeigt, wo dieser Strand und diese Dörfer sein sollen, ist auf meiner Karte inexisten, Niemandsland. Verschleppt mich Aung nun in den Dschungel, wo ich von Menschenfressern grilliert werde? Irgendwie habe ich dieses Bild im Kopf, ich am Spiess und Burmesen tanzen und lachen um mich herum und freuen sich auf das Festmal. Burmesen haben da schon gewisse Ähnlichkeiten mit dem Menschenfresserbild, dass ich in meinem Kopf habe. Vielleicht gelten dort ja Weisse als ein besonderer Leckerbissen, für das Aung viel Geld bekommt. Seich, ich vertraue Aung. Der Gwunder ist eh viel zu gross.

Aung zeigt mir zuerst Pathein, das nun wahrlich kein Highlight ist. Ein Städtchen dass so langsam aus der burmesischen Steinzeit erwacht. Zwar immerhin so gross wie Zürich, provinzieller aber nicht daherkommen könnte. Sie ist vor allem für ihre handgefertigten Dekorativ-Schirme bekannt. Sogar Schirm-Workshops kann man hier besuchen, wo man sieht, wie man diese – ausser als Dekoration völlig unnützen – Schirme herstellt. Während ausserhalb von Pathein Reisbauern mit Ochsen und Karren auf den Feldern arbeiten, wurde im Zentrum gerade das erste mit Marmorboden und psychologisch durchdachten Sortimentsordnung ausgestattete und auf Metzgerei-Kühlraum heruntergekühlte Einkaufszentrum eröffnet. Da fühlst du dich Hundert Jahre zurückversetzt und plötzlich – bäng – steht da so ein moderner Bau. Für die Menschen hier wohl ein Kulturschock, mitten in der eigenen Stadt. Pathein, nett für einen halben Tag. Aber die Reise mit Aung geht los.

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Reise ins Ungewisse

Ich habe keine Ahnung was da passieren wird. Ich weiss nur, dass er in diesem Dorf da ganz unten am Meer Verwandte hat, eine Fischersfamilie. Die leben von dem, was die Natur hergibt. Und ich weiss, dass da alles andere als Luxus auf mich zukommt. Ich bin ausgerüstet mit zwei frischen T-Shirts, Smartphone, etwas Geld, Badehose und meinem Zahnbürsteli. Der grosse Teil des Gepäcks lasse ich bei Aungs Bekannten in Pathein zurück, da ist nicht viel Platz auf dem Roller. Ich sei morgen Abend wieder zurück, meint Aung.

imageDie ersten zwei Stunden sind recht angenehm, solide geteerte Strassen und wunderschöne Landschaften: Hügelig und grün. Aber, aus Strasse wird Kiesweg, aus Kiesweg wird knapp als solcher erkennbarer Wanderweg. Vorbei an nun wirklich völlig abgelegenen Stelzendörfern, die Werkzeuge benutzen, die bei uns bei archäologischen Ausgrabungen gefunden werden. Viele dieser Menschen haben kein Geld, sagt mir Aung. Sie leben vom Tauschgeschäft. Der Eine beackert sein Reisfeld, der andere hütet seine Büffelherde, wieder ein anderer hat eine Holzsäge, für den Bau von Häusern. So leben die ein Leben, wie bei uns vor hunderten von Jahren, Stunden weg von städtischer Zivilisation. Wir fahren durch Wälder, vorbei an wilden Elefanten, riesigen Büffeln, Ziegenherden, toll. Der Kiesweg wird immer schmaler, holpriger, ich fühle mich durchgeschüttelt, es tut alles weh. Das Unschöne dabei ist: Es geht nochmals eine Stunde, der Weg wird nicht besser, im Gegenteil. imageNach gefühlten zehn Stunden kommen wir an einen Fluss, es riecht nach Salz, der Fluss mündet hier ins Meer. Es gibt keine Strasse direkt ins Dorf, wir kommen nur mit einer Fähre zum Dorf. Fähre? Wir sind im Nichts, ein paar Stelzenhäuser stehen am Fluss. Und da kommt jetzt wirklich eine Fähre? Aung hupt wie verrückt mit seinem Roller, damit der Fährmensch auf der anderen Seite weiss, dass da jemand rüber möchte. Nach einer halben Stunde kommt ein langgezogenes Nussschalenboot dahergetuckert. Und das soll uns jetzt samt dem Roller über den Fluss hieven? Kaum. „Here it is“, meint dann Aung. Über eine Holzrampe schieben wir den Roller dann tatsächlich auf dieses Böötchen und hopsen auch noch drauf. Wir fahren über den breiten Fluss, er mündet an dieser Stelle ins Meer. Palmen, blaues Wasser und wir samt Roller auf dieser Nussschale, links der Fluss und rechts, die Unendlichkeit des Meeres. Auf der anderen Seite angekommen, kommen die unschönsten Minuten auf dem Roller. Nochmals zwanzig Minuten durch hügeligen Palmenwald und Matsch, es ist inzwischen dunkel. Ich sehe mich schon mit eingeklemmten Bein im Schlamm liegen. Plötzlich halten wir: „Did it“, meint Aung, ich sehe nichts, schalte mein Handylicht ein. Aung stellt den Motor ab, ich höre das Meer rauschen.

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Der Fährmann

Wir laufen zum Häuschen, es ist gegen vorne offen. Eine Wand ist solide aus Backsteinen gebaut, die anderen Wände aus Holzlatten, es hat keine Fenster. Wir betreten das Haus, eine neun-köpfigen Familie sitzt da auf Plastikstühlen, sie begrüssen Aung, freuen sich sichtlich über sein Besuch, alle strahlen. Und vor allem so scheint es, freuen sie sich über den Gast. Die Mutter begrüsst mich strahlend, sie fühlt sich sichtlich geehrt, einen Weissen als Gast zu empfangen. Aung erklärt mir später, dass das für diese Menschen etwas ganz Besonderes sei. Ein Dorfbewohner der mal mit einem Weissen, einem Westlichen, gesprochen hat, ist etwas Besseres. Wer sogar ein Foto besitzt, mit einem reichen Menschen aus der Ferne, der hats definitiv geschafft. Aung wird offensichtlich wie etwas Besseres behandelt, er geniesst den Rum. Ganz alle freuen sich aber nicht: Der Kleinste, ein etwa drei-jähriger Bub schaut mich mit grossen Augen an, Schockstarre. Ich strahle ihn an, gehe noch ein Schritt auf ihn zu und sage „Mingalabar“, das heisst Hallo auf burmesisch. Das Bübchen beginnt nicht zu weinen, er schreit wie am Spiess. Diese geballte Ladung an weisser Haut, blonden Haaren und blauen Augen ist dem Kleinen zu viel. Der älteste Sohn, im Teenager-Alter, nimmt nicht einfach irgend eine Kokosnuss, er liesst die allergrösste aus, wischt sie noch etwas ab mit einem Lappen, und schneidet sie mir dann auf. Ich habe noch nie so eine grosse Kokosnuss gesehen, grösser wie ein Fussball. Ich bedanke mich herzlich, sogar in der Karen-Sprache, die sprechen nicht burmesisch hier. Diese Ethnie, dieses Volk heisst Karen, haben ihre eigene Sprache. Es ist die beste Kokosnuss die ich je gehabt habe, und gehaltreichste. Da hats etwas einen halben Liter Milch drin, hört nicht mehr auf. Ich bin nicht in der Hälfte da steht schon die nächste bereit. Da sitzen wir in diesem Stall, es wird geredet und gelacht, ich verstehe nichts, sitze etwas verloren da, bin totmüde. Wo schlafe ich ächt heute? Diese Frage interessiert mich im Moment am meisten. Ich will aber nicht unhöflich sein, warte mal bis alle eh ins Bett gehen, Aung wird es mir dann schon sagen. Ich schraube meine Erwartungen extra tief. Und dann ist es soweit, Aung fragt mich, ob ich müde bin. Er schmeisst eine Decke auf den Holzlattenboden. „Das ist deine, ich brauche keine“, meint Aung. Voila, wir schlafen auf dem Boden, check. Ich will es gar nicht anders, alles andere wäre nicht authentisch. Ein Tag geht zu Ende, ein Abenteuer beginnt.

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Meine Familie in Nathahu

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Halbinsel bei Nathahu

Der nächste Morgen
Tagwach fünf Uhr. Hier steht man auf wenn die Sonne aufgeht. LogischUnd geht zu Bett wenns dunkel ist, meist so nach sieben Uhr Abends. Es geht fischen, von dem lebt die Familie. Das Haus steht im Palmenwald, von weitem funkelt das hellblaue Meer durch die Palmen. Gefischt wird hier nicht mit Rute und Sänkernetz, sondern etwas altertümmlicher. imageZuerst werden die Schrimps mit einer speziellen Netz-Konstruktion mit so Bambusstäben vom untiefen Sandboden gekratzt. Schwierig zu erklären wies genau funktioniert – darum, Bild anschauen. Da sind etwa zwanzig Männer vom Dorf, die da diese Netz-Konstruktion vor sich herschieben. Auch Krebse können so gefangen werden. Der Strand ist der absolute Wahnsinn: Breit, feinsandig mit hellblauem Wasser. Traumhaft. Für diese Menschen hier ist das ganz normal, sie leben einfach hier. Die liegen nicht an den Strand, haben keinen Sonnenschirm und ein schickes Badetuch. Das Meer ist hier vor allem Nahrungsquelle. Nach dem Fangen der Shrimps gehts fischen, so richtig. Man nehme einen Holzspeer, spitzt diesen, und knotet auf der anderen Seite eine Gummischleife ran. imageDann, ganz wichtig, braucht es einen grossem Stein, voila, bereit, naja fast. Natürlich brauchts auch ein Schiff: Mit einem hölzernen Fischkutter aus Seeräubers Zeiten gehts raus aufs Meer, vorbei an felsigen Inseln, bis es etwa 20 Meter tief ist. Der Fischer ist Aungs Cousin, der Vater meiner Gastfamilie – sein Name ist Ko. Er montiert sich eine uralte Taucherbrille, sie umfasst die Augen und die Nase. Auf Augenhöhe festgemacht ist ein grüner Schlauch, er ist 30 Meter lang, ich würde ihm nicht im Traum trauen. Ko gleitet mit seiner Hand durch die Gummischleife, haltet den Speer, und mit der anderen Hand den Stein, damit er sich unter Wasser halten kann. imageDann taucht Ko ab, der Schlauch an Deck wird immer kürzer, er taucht tiefer und tiefer. Dann spaziert er auf dem Meeresgrund umher, haltet nach Beute Ausschau. Im Anschlag, der gespitzte Holzspeer. Ich warte mit Aung und einem anderen Typen im Boot. 20 Minuten später kommt Ko zurück. Am Speer aufgespiesst sind zwei so stachelige Ballonfische, die sich aufblasen können. Auch zwei Langusten und ein paar grosse Krebse haben sich nicht vor Ko retten können. Er freut sich mit seinem Freund, es scheint keine schlechte Ausbeute zu sein.

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Nach dem Fischen waschen wir uns im Meer. Es ist das ähnliche System wie auf dem Katamaran von Panama rüber nach Kolumbien. Mit Seife einschaumen, zurück ins Meer gehen und den Schaum abwaschen und dann mit etwas Süsswasser das Salzwasser abspühlen. Sauber und fast kein Wasser verbraucht. Dann gehen wir zum Frühstück. Hier isst man jeden morgen das Selbe. Reisnudelsuppe mit viel Knoblauch und Chilli, eine Spezialität von hier. Ich bin Fan, das ist sooo gut!! Dazu zwei Mini-Mandarinen, um das Feuer nach der Chilliladung zu löschen. Ich frage Aung, wie denn die Reisnudeln hier her kommen, kommt da ab und zu eine Ladung von Pathein? „Sicher nicht“, meint Aung. „Das wird alles im Dorf gemacht!!“ Aung ist ganz aufgeregt: „Ich zeige es dir nachher!“ Wir laufen zusammen durchs Dorf, Aung kennt die meisten hier. Er ist oft bei seinen Verwandten. Seine engsten Familienmitglieder, Eltern und Bruder mit Familie, sind vor fünf Jahren nach Perth, Australien geflüchtet. Aung blieb: „Ich konnte meine Heimat einfach nicht verlassen.“

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Wir laufen durch das Dorf, das grosse Starren ist angesagt, Aung läuft stolz neben mir. Ich trage den Longyi, den burmesischen Männerrock. Ein Westlicher, der auch noch ihren Nationalrock trägt, das bringt viele nicht mehr aus dem Staunen heraus. Ich fühle mich wie ein wandelnder Leuchtturm, der auch noch seine Scheinwerfer eingestellt hat. Wir erreichen die Reisnudelproduktion, ein mit Palmenwedel überdeckter Unterstand, mit hölzernen Küchenutensilien. Zwei kleine, buckelige Frauen rühren in zwei grossen Töpfen so eine milchig, dickflüssige Masse.

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Reisnudelproduzentin

Aung erklärt mir, dass das Reis sei. Wenn man Reis mit etwas Öl im kochendem Wasser kocht und kocht und kocht, und rührt und rührt und rührt, dann wird das irgend wann flüssig. Diese Masse wird dann durch eine hölzerne, handgefertigte Spaghettipresse gedrückt. Voila, Reisnudeln. Irgendwie lustig der Gedanke, aus Reis Nudeln zu machen. Aber auch sehr verständlich. Wenn man jeden Tag Reis essen muss, dann würde ich mir auch irgendwann Gedanken machen, was man daraus auch sonst noch so anstellen könnte…

Im nächsten, etwas grösseren Dorf zeigt mir Aung wie Reis verarbeitet wird, da gibts sogar eine kleine Fabrik. Die Reiskörner werden von ihren Hülsen getrennt. Durch das Verbrennen dieser Hülsen wird Energie gewonnen, welche wiederum für die museumsreifen Maschinen verwendet wird. Ökologisch und ökonomisch vortschrittliches Denken im Palmenwald. Beeindruckend.

Reisnudelproduzentin, Fischer, Fischernetzstricker, Palmenwedelverarbeiterin, Schreiner, Reisbauer, Motorradmechaniker, Zapfhahnwartin, Korbflechterin. Das sind so die Jobs die die Menschen hier ausüben. Ah und den Kokosnussmann gibts natürlich auch noch. Der steigt pro Tag auf 40 Palmen und holt die Kokosnüsse runter. Ich käme nicht auf eine rauf. Und wenn ich es dann bei einer Palme ganz hoch schaffe, kriege ich Höhenangst, komme nicht mehr runter, oder wäre dann konditionell am Ende. Der Typ steigt da rauf wie ein Äffchen, wenn er dann ganz oben ist, lehnt er in Richtung einer anderen Palme, steigt dann auf diese rüber und klettert so von Palme zu Palme und holt die Kokosnüsse runter. Wenn die nächste zu weit weg ist, muss er runter und wieder hoch klettern. Spannender wie ein Actionfilm, dem zuzuschauen.

imageZwischendurch besuchen wir Bekannte von Aung. Ich habe Einblick in das Leben von Familien, in verschiedene Berufe. Ein Einblick in ein Leben, eine Lebensart, eine Denkweise, die mich fasziniert und beeindruckt. Warum ermöglicht mir das Aung? Voller Begeisterung zeigt er mir alles, ab und zu nehmen wir eine Abkühlung im Meer, sprechen über Gott und die Welt. Die Gespräche bleiben meist eher oberflächlich, tiefere Gespräche lassen Aungs Sprachkenntnisse nicht zu. So habe ich bis am Schluss nicht ganz verstanden, was er eigentlich arbeitet. So wie ich es verstanden habe ist Aung Schülerhelfer. Das grösste Problem hier unten, ganz im Südwesten von Myanmar ist die Schulbildung. In einigen Dörfer gibt es Primarschulen, von der ersten bis zur vierten Klasse. Die meisten Kinder gehen hier also nur vier Jahre zur Schule. Weil die Mittelschule und Oberstufe also von fünft bis zwölften Klasse, nur in grösseren Dörfern gibt. Wenn überhaupt. Und das können die aller wenigsten finanzieren. Die Kinder wären dann während den Wochentagen stundenweit weg, in einem grösseren Ort. Pro Jahr und Kind kostet das laut Aung 300 Dollars. Die meisten Menschen hier haben noch nie so viel Geld gesehen. Und dazu kommt, dass die Familien ihre Kinder gar nicht so weit weg geben wollen. Aung wird dann von den Schulen kontaktiert, wenn ein Kind besonders begabt ist, aber das Geld fehlt. Aung treibt dann irgendwie Geld auf. Und genau das habe ich noch nicht ganz verstanden. Wo zum Hänker kommt dieses Geld her? Aung hat ein Netzwerk, kennt viele Menschen. So wie ich das verstanden habe, zapft er diese bei Bedarf an. Aung selber lebt von seinem Bruder in Australien, der schickt ihm gelegentlich Geld. Aung wohnt in Myaungmya, einem vier Stunden entfernten, grösseren Städtchen. In seinem kleinen Haus leben drei Schüler, die ursprünglich von einem kleinen Dörfchen sind, in Myaungmya aber in die neunte Klasse gehen. Dafür kriegt Aung etwas Geld. Aber er selber hat fast nichts, die etwas besseren Zimmer sind für die drei Buben, Aung selber schläft auf dem Holzboden. Er sagte mir: „Die Leute meinen immer, ich sei ein reicher Mann, aber eigentlich bin ich mausarm. Aber das Helfen macht mich reich.“ Ohne seine Familie in Perth, die ihn unterstützt, könnte er das Leben hier nicht finanzieren. Aber dank dem, kann er seine Energie dafür einsetzen, begabten Schülern zu helfen, damit sie in die Schule gehen können. Ich bin beeindruckt, frage mich aber auch, kann man so selbstlos sein? Ja, kann man. Ich glaube Aung. Ich habe gesehen wie er einer unendlich dankbaren Familie umgerechnet 300 Dollar vorbeigebracht hat. Da sind Tränen geflossen. Auch wenn ich möglicherweise als Teil dieses Netzwerks geplant bin, ich finde es toll, was Aung macht. Wie ist das Geld besser ausgegeben, wie einem Kind zu ermöglichen, in die Schule zu gehen?

imageMeine Reise mit Aung geht zu Ende. Aus zwei, wurden vier Tage. Aung hat mir auch sein Städtchen gezeigt, ich habe mit seinen Freunden Badminton gespielt, dabei mich von kleinen Kindern fertig machen lassen. Aung hat mir während vier Tagen einen Einblick gegeben, in ein Leben von Menschen, der mich bereichert hat. Die Herzlichkeit rührt und berührt mich tief. Ich drücke Aung am Schluss umgerechnet Hundert Franken in die Hand. Aung wollte es nicht, ich sei ein Freund, er möchte kein Geld von mir. „Aung, das ist nicht für dich, das ist für deinen nächsten Schüler“, sage ich Aung. Wir umarmen uns.

Hallo Myanmar

Ich betrete das Hostel. Hinter der schmuddeligen, kleinen Receptionstheke sitzt ein dicker, vor Schweiss triefender Typ. Ich schätze sein Alter auf 58. Er sieht zwar älter aus, ungepflegte Menschen sehen aber meist älter aus. Der Halb-Chinese, wie er mir verrät, hat eine Glatze, seine verbleibenden, fettigen Seitenhaare sind nach hinten gekämmt. Ausserdem rasiert er sich offenbar ohne Spiegel. Auf beiden Backen hat er je sechs-sieben Haare vergessen, sie sind inzwischen auf etwa acht Centimeter angewachsen. Es ist einer dieser Menschen, der äusserlich jetzt gar nichts hat, das als attraktiv eingestuft werden könnte. Mit einem freundlichen „Hello“ werde ich begrüsst, gefolgt von einem von tief unten kommenden, zum Operngesang ausholenden, Rülpser. Als wollte er mir zeigen, wie toll und lange er rülpsen kann. „Willkommen in Myanmar“, fügt er an. Der Mundgeruch erinnert mich an den Moment, als ich als Teenager im Keller ein Körbchen mit Ostereier gefunden habe, die mir Mami vor zehn Jahren mal besonders gut versteckt hat. Mit einem „Es ist schön hier zu sein“, versuche ich meine Schock-Starre zu überspielen.

Myanmar ist anders. Der Burmese kennt unsere westlichen Gepflogenheiten nicht. Mehr dazu in einem der nächsten Einträge. Noch zum Verständnis: Das Land heisst seit 1989 offiziell Myanmar. Auch wenn die USA und Grossbritannien immer noch den alten Namen Burma benutzen. Ich rede von Mynmar, nenne den Mensch aber Burmese, weil Myanmarer einfach etwas komisch klingt.

Vorfreude

Was habe ich mich gefreut auf dieses Myanmar. Es sei eines dieser wenigen Länder, habe ich gehört, welches bis jetzt von den ganz grossen Touristenmassen verschont geblieben ist. Einer dieser Länder, wo du als Weisser noch angestarrt wirst, wie ein indianischer Stammeshäuptling auf der Winterthur Steiberggass. Und einer dieser Länder, das ganz einfach noch ursprünglich ist. Es klingt für mich nach einem Traumland, es scheint alles zu haben, was ich toll finde. Ich merke grad, wie meine Erwartungen – ohne dass ich das beeinflussen kann – hoch sind. Aber, auch hohe Erwartungen können übertroffen werden. Auf ins Abenteuer Myanmar.

Thailand – Myanmar

Ich laufe über die Freundschaftsbrücke zwischen Mae Sot, Thailand und Myawaddy, Myanmar. Erst seit kurzem ist die Überland-Grenze zwischen den beiden ehemaligen Feinden überhaupt passierbar. Nach wie vor kommen aber die meisten Reisenden über die Luft nach Myanmar. Mein erstes Ziel heisst Hpa-an, das „H“ wird nicht ausgesprochen. Für mich gilt es vor allem als Zwischenziel, ich möchte möglichst rasch weiter in die Weltmetropole Myanmars, nach Yangon.

Hpa-an nur ein Zwischenziel? Die erste Überraschung.

Nur schon die Fahrt von der Grenze nach Hpa-an ist atemberaubend. Vorbei burmesischen Palmenblätter-Dörfern, übersfluteten Reisfeldern und saftig grünen Hügel. Sie wirken, als wären es Meteoriten, die mal hier eingeschlagen haben. Denn eigentlich ist das ganze Gebiet holländisch flach. Es liegen einfach berggrosse Felsen herum, die durch üppig grüne Wälder bewachsen sind. Auf den Spitzen ragen goldene Pagoden über die Bäume. Es ist eine spezielle, mystische Stimmung, die überwältigt. Bizarr-spektakulär. Ich könnte das jetzt mit blumigen und besonders kreativen Wörtern beschreiben, aber nach acht Monaten Reisen gehen mir langsam die Superlativen aus. Darum hier Bilder:

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Die Nacht im Gästehaus von Hpa-an kostet 5 Dollars. Ich kriege dafür eine durchgesessene Schaumstoffmatte im Gemeinschaftsraum, die einer Yoga-Matte näher kommt, wie einer Matratze. Dazu kommt eine Steckdose, in der der Stecker nicht hält. Ich könnte jetzt die ganze Nacht dort sitzen und den Stecker halten, ich nehme aber Klebeband. Im Hostel lerne ich Saskia, Tina und Sanne kennen, aus Holland. Sie überzeugen mich, für eine Nacht mit ins Kloster zu kommen, auf einer der Bergspitzen um Hpa-an. Dort könne man mit den Mönchen essen und schlafen, in einem Gästezimmer des Klosters. Klingt interessant!

Eine Nacht im Kloster

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Aufstieg

Das ganze Abenteuer setzt eine sportliche Grundfitness voraus. 900 Höhenmeter in zwei Stunden, das Ganze bei etwa 37 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 90%. Ein schweisstreibende Angelegenheit. Zwei Stunden gigantisch hohe Treppen, fast senkrecht, immer Richtung Himmel. Vorbei an hunderten von Buddha-Figuren. Bereits nach zwanzig Minuten sind wir pflotschnass, haben laternenrote Köpfe und machen uns mit flotten Sprüchen gegenseitig Mut: „Weisst du, das muss etwas hart sein, umso stolzer sind wir dann, wenn wirs geschafft haben.“ Mit zunehmender Höhe nimmt die Temperatur ab, dazu kommt der abkühlende Wald und der Nebel, der das Ganze etwas angenehmer gestaltet. Und: je höher, desto spektakulärer ist die Aussicht, die die Anstrengungen vergessen lässt.

Oben, im buddhistischen Kloster angekommen, heisst uns ein Mönch willkommen. Ein Kind zeigt uns dann den Schlafraum. Ein langgezogenes Blechhaus mit zwölf Betten, harte Betten, aber das bin ich mir ja von letzter Nacht gewohnt. Draussen turnen Affen herum, Krebse und Frösche hausen ebenfalls auf der Spitze des Mount-Zwegabin. Es windet und ist kalt. Die Wolken ziehen in einem Affenzahn über die grünen Hügel, verziehen sich, pünktlich auf den Sonnenuntergang. Und dann, ihr ahnts, kommt ein magischer Moment, wie ich ihn noch nie so erlebt habe. Die Strahlen der roten Abendsonne kämpft sich durch die Wolken. Wir stehen da, neben der riesigen goldenen Pagode des Klosters, umgeben von einem ganzen Affenrudel, wir können nicht fassen was wir sehen. Das bizarre Dinosaurierland wird rotstichig. Es ist ruhig, der Wind weht sanft, das erste Abendgebet der Mönche erklingt von weitem. Mystisch, ein Moment der gut tut, eine innere Zufriedenheit auslöst, tief berührt.

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Zwei unglaubliche Tage, die beide unter die Kategorie Top-Ten-Highlights seit meinem Reisebeginn im Januar einzuordnen sind. Und dass an einem Ort, der eigentlich nur als erstes kurzes Zwischenziel gedacht war. Wow. Was kommt da noch in diesem Myanmar…..?!

Ach ja, Mann trägt hier Rock. Longyi (Longschi ausgesprochen) heisst das Ding und wird von den aller meisten Männer getragen. Ist noch praktisch, man kann ihn kurz oder lang tragen. Auch so etwas wie Hosen kann man daraus machen. Eine Wissenschaft für sich ist der Knoten. Es gibt da den Altherrenknoten oder die moderneren Varianten. Ich musste ohni Seich Stunden üben bis ich einer der coolen drauf hatte. Und wenn ich das Ding schon trage, dann richtig. Gefällt mir übrigens wirklich der Longyi! Finde hat Style, der Burmese.image

Thailand unentdeckt

Und plötzlich schwimmt es davon, das Haus. Das ist sich der Thurgauer nicht gewöhnt, wenn Häuser auf einmal in den See stechen. Ich bin zwischen dem Istighofer Weiher und dem Bodensee aufgewachsen, da passiert das nicht. Hier am Ping River können Häuser an Land gehen, sehen dann so aus, als wären sie schon immer dort gewesen. Dann schaut man weg, nach ein paar Minuten wieder hin, staunt, und beginnt anschliessend, an sich selber zu zweifeln…

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Reiseland

Thailand wurde letztes Jahr von fast 30 Millionen Menschen bereist, ist somit eines der meist besuchten Länder der Welt. Ist es also möglich, in diesem Thailand ein schöner Ort zu finden, der noch authentisch ist? Sogar komplett untouristisch? Ja. In einer Woche habe ich grad zwei solche Orte gefunden.

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Wiedermal abseits des Reiseführers

Von Mae Sot, ganz im Westen Thailands, fahren wir in Richtung Norden, nach Li. „Wir“ sind ich und Jael, wir kennen uns noch von Bangkok, sie arbeitet dort. Kurzfristig konnte sie ein paar Tage frei machen, damit wir nochmals ein bisschen Zeit miteinander haben, bevor ich weiter nach Myanmar reise. Danach liegt Bangkok nicht mehr auf meiner Reiseroute. Wir sind mit einem Mietauto unterwegs. Li ist etwas abseits der üblichen Touristenpfade. Da nimmst du ein Abzweiger und die Touristeninfrastruktur ist inexistent. Das überrascht mich, ich hätte gedacht das Entdecker-Gen steckt in viel mehr Menschen. Das Bedürfnis, tolle Orte zu recherchieren, die noch mehrheitlich unentdeckt sind, scheint bei den allermeisten Reisenden klein zu sein. Lonely Planet aufschlagen, Highlights abklappern, voila. So reist die ganz grosse Masse. Offizielle Highlights sind super, sonst wären sie ja keine Highlights, aber einfach nicht sooo reizvoll.

Mae Ping-Nationalpark

„Da stand doch grad erst noch dieses Holzhaus“, bitte ich Jael ganz aufgebracht, mich davon zu überzeugen, dass ich nicht völlig plämpläm bin. Und dann, schwimmt das Strohhaus plötzlich dort draussen im See, oder im Fluss. Es handelt sich nämlich um den „Ping River“, im Mae Ping Nationalpark. Aber an dieser Stelle ähnelt der Fluss eher einem See. Der Fischer hängts vor seinem Haus und fischt. Da fährt man von diesem Städtchen Li, etwa eine Stunde in diesen Nationalpark hinein, und stösst dann eben auf den Mae Ping Fluss. Was für eine Überraschung, die Schönheit erschlägt uns fast, Sprachlosigkeit. Und das ist bei uns zwei Plaudertaschen unüblich. Nicht nur die schwimmenden Häuser, sondern vor allem, wie sich der Fluss hier zwischen den Bergen durchgabelt. Die Felsen sind rostrot, teils überwachsen mit Gras, dessen Grün durch die Abendsonne schon fast kitschig wirkt. Die Felsen sind teils überhängend, tropfsteinartige Gebilde hangen runter. Fliegende Fische springen immer wieder aus dem Wasser, überall plätschern Wasserfälle über die Felsen. Das ist Paradies.

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Die Menschen im Dorf schauen uns an, als wären sie gerade Zeugen davon, wie sich ein Mars-Ufo über ihrem Dorf eingerichtet hätte, und rot-grüne Marsmännchen raushopsen würden. Es wird uns klar, hier kommen selten, sehr selten westliche Menschen vorbei. Gleichzeitig kann ich genau dies nicht verstehen: Wie ist es möglich, dass so ein atemraubender Ort, noch von keinem LonelyPlanet-Reiseexperten, oder von sonst irgend einem Reiseblogger entdeckt wurde? Das in Thailand, nur etwa 90 Minuten vom Massentourismuspfad entfernt. Rätsel puur, werde ich nie verstehen. Aber ist natürlich toll dass ich das erleben darf.

Ein paar Typen kurven mit ihren Nussschalen im Fluss herum. Die meisten haben Fischerausrüstung dabei. Jael spricht ein wenig Thai, sie fragt mal scheu, ob wir mit so einem Schiffli in Richtung Sonnenuntergang tuckern können. Es ist ihm nicht ganz gschmuuch, mit uns Marsmännchen zu sprechen. Der Mann lächelt verlegen, wirkt irgendwie peinlich berührt und scheint gleichzeitig überrascht, dass Marsmännchen Thailändisch sprechen können. Der Fischer hält Rücksprache mit einem seiner Kollegen, und willigt dann ein, uns etwas mitzunehmen. Diese 45 Minuten in dieser Nussschale, das war wieder einer dieser Momente, und ich weiss, das wird für fleissige Leser jetzt etwas wiederholend. Aber es ist wieder dieses überwältigende, rührende Gefühl, etwas zu sehen, dessen Schönheit ganz einfach nicht in Worte zu fassen ist. Gepaart mit diesem exklusiven Gefühl, dass hier noch nicht viele Auswärtige waren. Aber auch der ganz ganz kleine Frust, dass ich dieses Naturwunder fotografisch nicht mal annähernd so festhalten kann, dass man das Ausmass wirklich nachvollziehen kann. Ein Versuch: also ein paar Versuche…

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So schwimmen wir also zwischen roten Felsen und übergrünen Wiesen in Richtung Sonnenuntergang. Ab und zu schwimmen wir an einem Haus vorbei, die meisten gehen aber langsam an Land, bald ist die Sonne weg. Und dann taucht da plötzlich ein grosses schwimmendes Haus auf. Ein Restaurant? Hier..? Sieht so aus mit Plastikstühlen und Tischen. Wir wissen es nicht, können nicht fragen, weil zu weit weg. Wir steuern weiter den Felsen entlang, der Sonne entgegen, und sind glücklich. Das waren schöne drei Tage, danke Jael, der Mae Ping Nationalpark war Resultat von deinen Recherchen.

Höhlen um Soppong

Die folgende Idee ist auch nicht von mir, es handelt sich um einen Tipp von Sandra, einer guten Kollegin meiner Schwester Nicole. Kurz bevor ich loszog, hat sie mir ans Herz gelegt, hier hin zu gehen. Mässi!

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Saftig grüne, dicht bewachsene Hügel, in die sich ab und zu ein Dörfchen reingekuschelt hat. Der Lang River liefert Wasser, die Höhlen Spektakel. Es sei der schönste Flecken Thailand, sagt Peter. Der Australier führt seit 38 Jahren etwas oberhalb von Soppong, ganz im Nordwesten von Thailand, eine Lodge. Wo er damit angefangen hat, war der Tourismus erst in den Startlöchern. Speziell hier im Grenzgebiet zu Myanmar gab es damals keinen Tourismus. Auch heute, fast vierzig Jahre später ist Soppong immer noch ein Geheimtipp. Aber das sei auch gut so, meint Peter, es sei schön, ein Geheimtipp zu sein. Ich liebe Geheimtipps!!!

imageIch machte ein Tagesausflug, mit dem Kajak durch das wilde Wasser des Lang Rivers. Durch saftige Natur und spektakuläre Höhlen. Grad drei grosse Tropfsteinhöhlen hats in diesem Gebiet. Und das war wirklich ein Abenteuer, zweimal in Notlage. Einmal hats mir im Wildwasser das Kajak gedreht. Später bin ich einem aus dem Wasser ragenden Baumstamm aufgefahren. Von hinten hats das Boot dann so mit Wasser gefüllt, dass es zu schwer war um es zu leeren. Genau darum kann dieser Trip nur mit Guides gemacht werden, sonst wärs zu gefährlich. Zusammen konnten wir das Boot und mich aus der misslichen Lage befreien. Ja ich bin ein Tollpätschli..aber: Das ist fast allen der Gruppe mal passiert!! Musste noch gesagt sein 🙂

So, gesagt sein muss auch, dass ich Thailand nun verlasse. Jetzt kommt dieses Land, auf das ich mich am allermeisten freue: Myanmar! Vom Thailändischen Mae Sot gehts rüber nach Hpa-An. Ich bin gespannt und freue mich fest.

Mit Pilz

Meine Füsse sind unheimlich weit weg. Ich laufe, habe noch nie so grosse Schritte gemacht. Ich bleibe vor einem Baum stehen, frage mich, warum der dort steht. Und vor allem, warum der so gross ist. Alles ist vermustert, pulsiert, bewegt sich. Gesichter wirken verzerrt, Bewegungen unnatürlich. Fast etwas unheimlich. Ich laufe zu meinem auf Stelzen stehenden Bungalow, er erscheint mir plötzlich unglaublich gross. Meine Veranda ist in den letzten Tagen Treffpunkt unserer Gruppe geworden. Die einen sitzen bereits dort oben im Kreis, während ich noch mit dem Bestaunen des Baumes beschäftigt bin. Ich laufe in Richtung meines Bungalows, er ist riesig, wahnsinnig hoch diese Stelzen. Wie soll ich jetzt dort hinauf, ist doch gefährlich, so hoch… Da sehe ich die drei Treppen. Oben hängen die Anderen herum. Die Eine bestaunt benommen ihre Hände und kichert leise vor sich hin, die Andere ist damit beschäftigt, sich zu beruhigen, weil sie vor lauter Lachkrämpfen nicht mehr zum Atmen kommt. imageUnd wieder ein Anderer starrt völlig abwesend in den sich bewegenden Sternenhimmel. Ich finde es sehr spannend, etwas beängstigend auch. Ein Drink und die Sinne spielen völlig verrückt. Was ist real? Warum erscheint mir etwas real? Was bedeutet Realität überhaupt? Gibt es das? Das sind Fragen die ich mir während meines Trips stelle. Während der zweiten Phase, wo der Effekt langsam ausklingt, findet man einfach alles lustig.

Pilzli-Trip in Pai, Nordthailand.

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Pai

Pai ist ein Gefühl, eine Weltanschauung. Menschen aus der ganzen Welt kommen hier her, meditieren, machen Yoga, essen vegan und ziehen sich irgend etwas rein. Der Kifferduft liegt in der Luft, die weiten Kartoffelsack-Hippie-Hosen sind allgegenwärtig. Thema Nummer eins ist der gestrige Trip und die Frage, auf welche Art man sich heute Abend wieder in die Surealität befördern könnte. Natürlich wird auch darüber gesprochen, wie die Welt verbessert werden kann und sollte. Die Menschen hier wissen das natürlich am besten, die Hippies. Zu Gitarrenklängen und Gras wird phylosophiert. Die Stimmung ist irgendwie gut, so eine zufrieden-benommene Ambiance. Nach drei Tagen habe ich es dann aber auch gesehen. Für drei Tagen ist das noch lustig, aber für mehr bin ich ganz einfach zu wenig Hippie.

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Meine legendäre Veranda…

Von Bangkok nach Chiang Mai

Mit dem Nachtzug gings los, 14 Stunden nordwärts. Das Zug und die Schienen sind in einem abenteuerlichen Zustand. In der Schweiz wird jede noch so kleine Unebenheit von den fleissigen Schienenarbeiter sofort korrigiert. Hier nicht. Ist auch nicht so schlimm, es rumpelt hald einfach. Die Züge sind mit Betten ausgestattet, schmal aber okay. Ich konnte schlafen. Und auch der Zmorge im Zmorgewagen war gar nicht so übel. Pünktlich nach 15 Stunden fuhr der Zug ein, hallo Chiang Mai.

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Bangkok – Chiang Mai

Die 200`000 Menschen-Stadt ist bekannt für ihre Kultur und das Nachtleben. Reisende haben Chiang Mai schon lange entdeckt, jeder dritte Laden ist daher auch ein Anbieter für irgendwelche Wander und sonstigen Abenteuerausflüge in der hügeligen Umgebung. Am bekanntesten scheinen Elefantentrips zu sein. Es sind meine Lieblingstiere, darum buche ich so ein Trip. Das Reiten von Elefanten wird zwar heute noch vereinzelt angeboten, ist aber verpönt. Viele Tiere haben Schäden davon getragen. Der Rücken des Elefanten ist nicht dafür gemacht, dass man darauf reiten kann. Darum buche ich einer Trip, in dem ich den Elefant pflegen und füttern kann. imageUnd ich muss sagen, das war eine spannende Erfahrung. Nur schon einem Elefanten eine Banane in den schlabrigen Mund zu legen ist ein Erlebnis. Danach dauften wir die Elefanten zurerst mit Schlamm einreiben – dass sei gesund für die Haut – und danach im Fluss waschen. Natürlich hatte das Ganze auch einen Massenabfertigung-Touch. In dieser Elefanten-Farm wird jeden Tag eine Tourigruppe durchgeschleust. Für die die den Hof leiten noch praktisch, wir Touris machen die Arbeit und zahlen auch noch eine stolze Menge dafür. Aber egal, war schön mal so nahe an diesen Tieren zu sein.

Noch etwas lädiert von den beiden „Trips“ gehts weiter, zu den Höhlen um Soppong, jetzt wirds abenteuerlich.

Kulturschock

Besondere Erfahrung

Ganz besonders freue ich mich auf die Massagen hier in Bangkok, sie seien wahnsinnig günstig und der Hit, hat mir meine liebe Kollegin Julia erzählt. „Ich bin damals in Bangkok jeden Tag gegangen!“, meinte sie. In der Schweiz tut jeder Druckakt auf der Massageliege auch etwas weh, weil dafür das Sparschweinchen zuhause fast den Hungertod erleiden muss. In Bangkok kostet das fast nichts, eine Stunde Ölmassage kriegt man bereits ab Acht Franken. So weit so gut. Eine Herausforderung ist es aber, auch tatsächlich in einem seriösen Massageschuppen zu landen. Denn, hier wird in Massagesalons nicht nur massiert.

So mache ich mich also auf die Suche nach einem nicht schmudelig-wirkenden Massagetempel. Ich werde fündig. Edel sieht alles aus. Ich wähle die Thailändische Ölmassage, Kosten: 400Baht, das sind etwa Fr. 11.-. Ich solle mich komplett ausziehen, sagt mir die Frau, Thailänderin, geschätzte 28 Jahre alt. Klar, dachte ich mir, das ist eine Ganzkörper-Massage, da hat man nun mal nichts an. Interessanterweise beginnt sie aber auch sich auszuziehen, also bis auf kurze Höschen und einen BH. Ich frage sie, warum sie das tut. Sie reagiert nicht gross darauf. Ich ordne es unter kulturelle Unterschiede ein und hoffe auf eine gute Massage. Sie beginnt mit dem Rücken, mit einem leichten Streicheln. Vielleicht ist das ja, zum die Muskeln etwas aufzuwärmen, damit die eigentliche Massage nachher besser geht, bin ich überzeugt. Aber auch nach sechs-sieben Minuten spüre ich da nur wenig Können in ihrem Massagehandwerk. Ich frage mal scheu nach, ob man das hier in einer Schule lernt..oder wie sie zum Massieren gekommen ist. Sie antwortet so etwas wie: „Ja, Schule…“. Es ist wieder ruhig. Dann fragt sie mich: „Want Bumbum?“. Ich verstehe nicht was sie meint. Oder besser gesagt, ich hab da so eine Idee, will das aber nicht wahrhaben. Ich frage nach, was sie genau meint. „Bumbum, do you want Bumbum?“. Ich gehe inzwischen davon aus, dass mein Verdacht genau richtig ist. „Ich meine mich zu erinnern, dass ich eine Massage gebucht habe“, versuche ich sie zu motivieren, mir endlich eine richtige Massage zu geben. Es kommt nicht besser.

So liege ich da, splitternackt, in einem Massagezimmer. Da drückt mir eine – inzwischen vom letzten Funken Motivation verlassen – an meinem Rücken rum, und macht einen Lätsch weils diesmal keinen „Tipp“ gibt. Es würde sich prickelnder anfühlen, wenn mir eine Bangkoker Strassenmaus über den Rücken spazieren würde. Das habe ich wiedermal ganz toll eingefädelt, denke mich mir, auch leicht amüsiert. Noch auf der Massageliege frage ich mich selbstkritisch, wo habe ich nun den Fehler gemacht, oder, wie hätte ich das wissen können? Ich glaube, noch klarer kommunizieren, dass ich wirklich einfach eine professionelle Massage möchte, hätte geholfen.

Ich entscheide mich für Übungsabbruch. Willkommen in Thailand.

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Bangkok

Anders

Ich laufe durch schmale Gassen, es raucht mir ins Gesicht. Der Strassengrilleur heizt seine Fleischmocken ein. Es riecht nach Abwasser, Abgas, nach verkohltem Fleisch und verdorbenem Poulet. So wie wenn man das rohe Hähnchen zwei Stunden in die pralle Sonne legt und danach tief durchatmet.

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Pad Thai Streetfood

Viele Gerüche sind auch ganz einfach nicht einzuordnen. Die Formen der Fleischstücke auf dem Grill sind undefinierbar, es könnten Frösche sein. Oder Ratten, das selbe Tier, das auch überall auf den Strassen herumflitzt. Die ganze Kombination killt mir die letzten Hungergefühle. Ich weiss nicht, wo ich was essen kann und will. Es ist mein erster Tag, ein kleiner Kulturschock.

 

Nass

Es ist Monsun, also Regenzeit. Das heisst: Es regnet viel, das Planen des Tages demnach nicht ganz einfach, es kann innerhalb von 15 Minuten komplett umstellen. Und wenn es hier regnet, dann will man nicht draussen sein. Das Abflusssystem hätte in Bangkok Verbesserungspotential: Nach ein paar Stunden Starkregen sind die Strassen überschwemmt. Und wenn es dann einen Tag durchregnet, dann hat das Beobachten der Verkehrsgeschehnisse einen hohen Unterhaltungswert. Denn, das haltet die Führer von motorisierten Zwei- Drei- und Vierräder nicht davon ab, ihre Fahrzeuge zu führen. Auto die nicht mit dem vielen Wasser umgehen können, bleiben stehen. Das ist hier in Bangkok immer etwas ungünstig, denn hinter einem Auto hat es immer ganz ganz viele andere Auto, Töffli und TukTuks, die da zwischendurch drängeln. Resultat: Ein epochales Verkehrschaos, in einem Ausmass dass man sich in der Schweiz gar nicht vorstellen kann.

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Sukhumvit

Denn hier haben Strassen mitten durch die Stadt zehn Spuhren. Dazu kommt, dass der Thailänder nicht Auto fahren kann. Wie der Kolumbianer. Das ist die erste Parallele die ich feststelle. Der Thailänder wie auch der Kolumbianer hat grundsätzlich ein ruhiges, zufriedenes Gemüht. Auf der Strasse werden jedoch beide zu Monster, zu ungeduldigen, fluchenden Drängler und Spontanbremser. Das Motto „ich bin der Wichtigste hier auf der Strasse und ich habe immer Priorität“ ist dann etwas ungünstig, wenn alle hunderttausende Verkehrsteilnehmer auf den Bangkoker Strassen danach ihr Fahrzeug lenken. Mich nervt das fest, und ich finde das geht nicht unter kulturelle Unterschiede, das ist ganz einfach dumm. Ich bin abgeschweift. Ich war eigentlich beim Thema Monsun, Regenzeit. Während der Autolenker wenig Freude am Regen hat, freut sich der Fussgänger. Der grösste Vorteil: Die reinigende Wirkung. Bangkok leidet unter Smog. Während der Trockenzeit ist das Leben hier ungesund: Bruthitze, verpestete Luft, die Temperaturen gehen Monate lang nicht mehr unter 30 Grad. Temperaturmässig ist es während der Regenzweit immerhin ein bisschen angenehmer. Wobei, sooo viel macht das nicht aus. Denn, wenns viel regnet, fällt das Atmen zwar leichter, dafür ist die Luftfeuchtigkeit unangenehm hoch. Ich kenn das noch aus dem Amazonas, bei kleinsten Anstrengungen schwitzt du litermässig. Ich bewege mich in Zeitluppe, damit ich nicht fünf mal duschen muss pro Tag. In Bangkok ist es also entweder heiss oder feucht. Auch wenn die Acht-Millionen-Metropole wettertechnisch etwas ungünstig liegt, Bangkok ist der Wahnsinn, an Vielseitigkeit kaum zu übertreffen.

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Die Stadt

Die meisten Backbacker halten sich im Gebiet um die Khaosan Strasse auf. Burger-Restaurants neben Souvenirläden, Fussmassagen und massgeschneiderte Anzüge werden hier angeboten. Kulinarisch kann man sich in Bayirischen Biergärten oder Itlaienischen Pizzerien verwöhnen lassen. Und, wie überall in Bangkok gibts auch hier Streetfood. Und das kostet fast nichts.

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Khaosan Road

Das wohl bekannteste Thaigericht, Padthai, kriegt man auf den Strassen Bangkoks für 30 Baht, das sind etwa 80 Rappen. Ich finds toll, kann es aber gleichzeitig überhaupt nicht nachvollziehen, warum das so günstig ist. Ich meine Thailand ist das wohl touristischte Land der Welt, die Thailänder müssten doch langsam mitbekommen haben, wie viel ein Tourist für ein Mittagessen zu zahlen bereit ist. Als Beispiel Nicaragua. Ein Land, dass erst seit kurzem von Touristen besucht wird. Trotzdem haben die schon recht genau ausgelotst, wie viel ein Tourist für was bereit ist zu bezahlen. Oder die Corn Islands, zwei Karibische Inseln die zu Nicaragua gehören. Erst vor zehn Jahren hat das Inselvölkchen den ersten Europäer oder Amerikaner gesehen. In dieser kurzen Zeit sind die Einheimischen auf den Geschmack des Geldes gekommen, haben die Preise zum Beispiel für Übernachtungen oder Essen bereits vervierfacht. Ich dachte, so funktioniert einfach der Mensch, er will Geld verdienen, so viel wie möglich, damit er aber trotzdem noch genug Kunden hat. In Thailand ist das irgendwie anders.

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China Town

Eine anderthalb-Liter Wasserflasche kostet 30 Rappen, eine Übernachtung in einem guten Hosteldorm, Fünf Franken, inkl. Frühstück. Wenn man ganz fest will, kann aber durchaus Geld ausgeben in Bangkok. Es gibt fancy Restaurants und Skybars auf den Dächern der Wolkenkratzern, da bezahlt man durchaus 12 Franken für einen Cocktail oder 25 Franken für ein Nachtessen. Oder dann war ich in einem Freilichtmuseum „Ancient City“, vergleichbar mit Ballenberg, wo die spektakulärsten alten Tempel Thailands nachbaut wurden. Der Eintritt: stolze 20 Franken. Mit diesem Geld könnte ich mich eine Woche ernähren hier. Es gibt sie also schon, die, die wissen wies funktioniert, das mit diesem Geldmachen.

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Ancient City, Bangkok

Ich lebe in Sukhumvit, einem weniger touristischen Stadtteil. Ich spühre am Abend lieber den Puls der Stadt, wie die deutsch-englische Biereslust. Von hier ist man schnell überall. Bangkok hat ein perfektes ÖV-System. Skytrain, also so ein Zug der auf Betonstelzen die Stadt oberirdisch verbindet, und eine Metro. Menschen von Stadtteilen die nicht mit Schienen erschlossen sind, pendeln mit so kleinen Schiffen auf den Kanälen oder dem grossen Fluss der quer durch Bangkok fliesst. imageWenn man also von A nach B will, dann kann man sich immer einen Plan aushecken, wie man das nun am besten macht. Ein bisschen Metro, ein bisschen Schiff und dann vielleicht noch ein TukTuk wenn man grad keine Lust hat zu laufen, in dieser feuchten Hitze. Macht noch Spass finde ich. Nach dem anfänglichen kleinen Kulturschock habe ich mich inzwischen gut eingelebt. Bangkok macht es einem aber auch nicht so schwierig. Die Metropole ist blitzblank sauber und durchorganisiert. Das ÖV-System zum Beispiel ist sogar moderner und übersichtlicher wie zum Beispiel in London. Auch sicherer. Der Bahnsteig ist mit einer Glaswand zum Gleis abgetrennt. Wenn der Zug einfährt, gehen Zugtür und Schiebetür der Trennwand gleichzeitig auf. In der Schweiz gibt es dann immer so ein lästiges Gedränge, weil die die rein wollen nicht warten können.

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Metro Bangkok

Ich frage mich amix an was das liegt. Die nackte Angst davor, keinen Sitzplatz mehr ergattern zu können, oder ist es doch die schon fast unaushaltbare Vorfreude auf die Arbeit? In Bangkok ist das anders. Auf dem Bahnsteig sind am Boden Linien und Pfeile gezeichnet. Sie zeigen, wo die Passagiere zu warten haben, und wo der aussteigende Menschenstrom raus darf. Keine Spuhr von Gedränge. Und das in einer Stadt mit über acht Millionen Einwohnern. Der zweite Punkt was in Bangkok auffällt: Die Sauberkeit. Keine Zigarettenstummel, keine Plastikflaschen am Boden, nichts. Ich würde fast meinen, Bangkok kann da mit Zürich easy mithalten. Gleichzeitig hat es fast keine Abfalleimer, das macht überhaupt keinen Sinn. Dafür gibt es unzählige Strassenputzer, die alles sauber halten. Hier gehts wahrscheinlich darum, die Arbeitslosenrate tief zu halten. Das Bedürfnis nach Sauberkeit sieht man auch in meinem Hostel. Nachdem ich jeweils meinen menschlichen Bedürfnissen nachgegangen bin, steht da bereits die Putzfrau bereit, grüsst freundlich lachend, und erstellt noch während ich meine Hände wasche Ausgangslage. Das Gute an diesem etwas übereifrigen Sauberkeitsbedürfnis, wenn man aufs WC geht, scheint es amix, als wurde die WC-Schüssel gerade erst reinmontiert. Auf der anderen Seite, kann es eben auch zu etwas unangenehmen Situationen führen. Zünftig Nachholbedarf haben die Bangkoker aber leider mit dem Umweltschutz. Abfalltrennung, Fehlanzeige. Das ist darum unglaublich schade, weil die Stadt einen grossen Aufwand betreibt, alles sauber zu halten. Es bräuchte nicht viel mehr, und auch der ökologische Gedanke wäre abgedeckt. Schade. Auch das Wasser im  Fluss und den kleinen Kanälen ist völlig verpestet, da fliesst viel rein das nicht sollte. Kurz: Oberflächlich ist Bangkok sauber, nur oberflächlich. Interessant ist auch, dass es nicht so viele Obdachlose zu geben scheint. Ich habe mehr auf der Strasse lebende Menschen in London gesehen wie in Bangkok.

Soo das wärs, was mir von Bangkok geblieben ist. Ich könnte jetzt den ganzen Text noch etwas umstellen, damit ich nicht so negativ aufhören muss. Wär jetzt etwas aufwändig… Das was mir bleibt, sind tolle Situationen, wie die einer Fernsehstation, die gerade eine Gruppe Mönche interviewt. Oder in der Metro, das siehst du so viele verschiedene Menschen. Da sitze ich, bin der einzige Weisse, rechts ein Alki, dessen Kopf nach vorne neigt und der Speichel aus dem Mund läuft, weil er sich selber nicht mehr zu spühren scheint. Links von mir spühre ich wie ein Ladyboy immer wieder zu mir schielt. Gegenüber sitzt ein alter Mönch, der unauffällig den Ladyboy mustert. Diagonal gegenüber von mir sitzt ein Geschäftsmann der die Situation auch grad lustig findet und mich darum anlacht. Toller Moment.

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Massgeschneidert von Peter

Immer mit Bangkok assozieren werde ich auch Jael. Sie heisst nicht so, ich darf aber ihren richtigen Namen nicht sagen. Sie arbeitet in einer heiklen, auch nicht ganz ungefährlichen Position auf einer Botschaft eines Landes, dass ich auch nicht erwähnen darf. Wir haben uns in einem Restaurant, beim Zmittag kennengelernt. Schnell haben wir gemerkt, dass die Wellenlänge ausserwordentlich gut stimmt. Sie lebt in einer Wohnung in einem Wolkenkratzer mit einem unglaublichen Ausblick. Bevor ich überhaupt in die Wohnung durfte, musste ich da einige Fragen beantworten. Ich musste beweisen, dass ich wirklich als Reporter bei TeleZüri gearbeitet habe und nicht ein Spion bin. Das war bei meinem Job zum Glück nicht so schwierig. Wir hatten eine aussergewöhnlich spannende Woche zusammen. Aber, ich muss weiter. Mein zweiter Teil meiner Reise beginnt ja erst richtig. Ich reise weg von Bangkok, in den Norden Thailands, nach Chiang Mai, Pai, Soppong und dann weiter nach Myanmar. Es geht weiter! Yesss!!

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Bangkok by night

Bei den Briten

Ich dachte, dort bei Monty Python haben sie extra übertrieben gesprochen, um den Humorfaktor noch etwas zu steigern. Es ist so eine etwas überheblich wirkendes Auf und Ab mit der Stimme, als würde man jemanden nachäffen, oder unschön singen. Aber die sprechen hier so, ganz normal, jeden Tag. Ich gehe davon aus, auch bei ausgefallenen Aktivitäten. Es ist etwas, an das ich mich gewöhnen muss. Ich muss vielleicht sagen, ich bin zum ersten Mal auf der Britischen Insel. Klar habe ich auf Reisen schon einige Engländer kennengelernt. Im Interesse des gegenseitigen Verständnises halten die sich jeweils etwas zurück mit ihrem Akzent, wenn sie unter Nicht-Briten sind. Aber hier zuhause, lassen sies um so mehr raus.

imageIch habe Freude am Engländer. An der Engländerin natürlich auch sehr, aber der Einfachheit des Schreibens zuliebe, nehme ich nur eine Form. Dieses Überhebliche in der Sprache mag zwar aufs erste Hinhören etwas verwirren, ist aber überhaupt nicht so gemeint! Die sind nämlich richtig nett! Wenn ich den Engländer zum Beispiel nach dem Weg frage, oder mich in einer Stadt nach den Highlights erkundige, dann wirkt der Engländer, als hätte er sein ganzes Leben auf diesen Moment gewartet, mir diese Frage zu beantworten. Voller Motivation und mit einer schon fast etwas aufopfernder Note versucht er mir eine qualitativ hochstende Antwort zu liefern. Man spührt richtig, wie wichtig es ihm ist, dass die Information Substanz hat. Ich meine schon fast die Angst davor zu spühren, mir nicht eine genaue Auskunft geben zu können. Einer wollte sogar noch seine Frau anrufen, als ich ihn fragte, wo dieser Weg noch hinführt. Und diese Freundlichkeit wirkt auf mich überhaupt nicht amerikanisch gespielt, sondern 100prozent echt. Logisch hats auch unfreundliche Menschen, aber die sind überall.

Ich bin in England. Ich glaube, das hat nun auch der unaufmerksamste Leser mitbekommen. Auch der Nur-Bildli-Anschauer. Nur eine Woche bin ich hier. Ich wollte schon lange mal nach Londen, der grössten Stadt Europas. Und da dieses Jahr mein Reisejahr ist, passt das gut. Auch darum, weil ich nun endlich jemanden gut kenne hier: imageRob, ich habe ihn in Medellin, Kolumbien, in der Spanischschule kennengelernt. Er hat mich eingeladen, ihn mal in seiner Heimat besuchen zu kommen. Ich bin nicht alleine: Moser ist auch dabei. Also Tobias heisst er mit Vornamen, aber so nennt ihn inzwischen niemand mehr. Ein sehr guter Kumpel aus der Schulzeit in Bürglen.

90 Minuten fliegen, und hier sind wir, London-Gatwick-Airport. Schon früh wird uns klar, dieses London ist gross. Wir brauchten länger vom Flughafen zu Rob, wie von Zürich nach London. Ganze 40 Minuten Zugfahrt, und wir sind in London-DownTown. Und von dort ists nochmals ein kleines Projekt, um zu Rob zu gelangen. Ungünstig dabei, es ist schon Mitternacht. Das Londoner Bussystem muss man entweder kennen, oder man wird seinem Schicksal überlassen. Sprich man nimmt das Taxi.

imageGegen die 10 Millionen Menschen leben hier, also etwa gleich viele wie in Bogota. London ist nicht nur die grösste Stadt Europas, sondern auch die internationalste. Da schlenderst du zweihundert Meter durch die Gassen und hörst dutzende verschiedene Sprachen und siehst Kleidungsstiele wie sie unteschiedlicher nicht sein könnten: Farbige Mustergewänder, es sieht aus wie ein Afrikanischer Dschungelprovinzkönig neben in enge und extrakurze Hotpents gezwengte, offensichtlich im Selbstfindungsprozess befindende Teenie-Füdlis. Und, Zuckerwasser-Frisur-Banker neben Burkas, viele Burkas. In der Schweiz habe ich mehr Burkadiskussionen im Fernsehen gesehen, wie wirklich Menschen auf der Strasse, die sich dieses schwarze Tuch auch wirklich um den Kopf schwingen. Hier in Londen sind sie überall. Einmal, sprach es plötzlich aus einer dieser schwarzen Hüllen heraus! Wenn es plötzlich hinter einem Stück schwarzen Stoff herausspricht, dann erschrickt der Thurgauer. Das ist er sich nicht gewöhnt. Die Schweizer kennen nur Nora Illi, die einzige Burka/Niqapträgerin die spricht, oder die wir Schweizer je gehört haben. Sehen tut man ja nicht, wie sie spricht. Das Spezielle hier in London, da kommt astreines London-Englisch heraus! Ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, einmal habe ich erlebt, wie eine Burkaträgerin ein akzentfreies Englisch spricht. Eine interessante Erfahrung. Zumindest die sprachliche Integration scheint also auch mit Burka möglich. Trotzdem, und das mussten wir, ich und Tobias, uns eingestehen, etwas ungewohnt und komisch ist es schon. Nicht etwas, dass wir uns für Zürich oder Weinfelden wünschen. Und das ist alles andere wie ein Plädoyer für ein Burkaverbot!! Aber jetzt nicht politisch werden…obwohl politisch ist es in London sehr interessant im Moment! Alle jungen Menschen die ich in dieser Woche kennengelernt habe, fluchen über den Brexit. Ein Typ hat mir am letzten Abend im Londoner Ausgang gesagt: „Diese alten Menschen die verantwortlich sind für den Brexit, sind alle in Zwanzig-Dreissig Jahren tot. Die schlussendlichen Auswirkungen werden wir, die das gar nicht wollten, ausbaden müssen.“ Die politische Stimmung ist im Moment angespannt. Unsicherheiten aufgrund der erhöhten Terrorgefahr und jetzt auch noch diese Politische Veränderung.

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Sunset at Tower Bridge

Die direkte Auswirkung des Brexit auf uns als Touristen ist positiv: Unsere Reise ist 20% günstiger, der Pfund hat seit dem Brexit einen Fünftel seines Wertes eingebüsst. Allgemein bin ich überrascht wie günstig England ist. Ich hätte mir die Preise näher am Schweizer Level vorgestellt. Aber es ist alles etwa einen Drittel günstiger wie bei uns.

Big Ben, Tower Bridge, Buckingham Palace und das London Eye, also dieses Riesenrad. Alles an einem Tag abgeklappert. Und, auch wenn man alles schon hunderte Male auf Fotos gesehen hat, es ist dann eben doch faszinierend, real davor zu stehen. Dieser Big Ben und vor allem diese Tower Bridge sind einiges grösser wie ich gedacht habe. Im Hintergrund die Wolkenkratzer des Finanzquartiers. Und mitten in der Stadt, die St. Pauls Kathedrale. Ein riesiges Gotteshaus, zwischen Wolkenkratzer und Tower Bridge, im Zentrum der Weltmetropole. Faszinierend, auch die völlig verrückten Shoppingzentren, da kann das Glattzentrum einpacken. Vom vergoldeten Schachbrett für einen sechsstelligen Betrag, bis zur Kinderdrohne, mit der man in der Wohnung herumflitzen kann, alles gibts hier. Luxus und Ramsch, Dickmacher und Hightechturnschuhe. Wir sind richtig froh, haben wir keinen Platz im Rucksack.

 

Von London nach Brighton – England Riviera

Tobias geht nachhause, ich bleibe noch ein paar Tage in England, bereise die Südostküste. Eine Stunde Zugfahrt und man ist am Meer. Erster Halt, Brighton. Die Stadt am Ärmelkanal ist von der Grösse her irgendwo zwischen Genf und Zürich. Ich steige aus dem Zug und komme mir bereits vor, als hätte ich mich wie der Muotathaler Wetterschmöcker Martin Horath auf einen Ameisenhaufen gesetzt:

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Brighton

Viele Leute, viel Verkehr, – die fahren übrigens links, gewöhnungsbedürftig plötzlich dieser Linksverkehr. Da willst du eine Strasse überqueren, schaust wie gewohnt nach links und merkst, dass du hier besser auch nach rechts schauen solltest, von dort kommt der Verkehr her. Und es hat viel Verkehr. Aber irgendwie mag ich diesen Betrieb. Ich höre später, dass das gar nichts ist, im Vergleich zum Wochenende. Brighton ist das beliebteste Wochenendausflugsziel der Londoner. Die kommen dann jeweils hier ans Meer und machen Party. Am Strand sei es dann eine Herausforderung ein Plätzchen zu finden. Tatsächlich, hier liegen Menschen am Strand! Ich dachte ja in England ist es kalt und es regnet. Ich habe noch kein Regen gesehen, es ist etwa 26 Grad, mein Gesicht macht meinem Sternzeichen alle Ehre. Ich habe an vieles gedacht beim Packen für England, Schirm, Regenschutz, Puli… Aber Sonnencreme ist mir nicht in den Sinn gekommen. Im Unterschied mit irgend einem Strand in Italien, hier liegen die meisten Menschen nur auf den rostfarbigen Kieselsteinen und lassen danach auf ihrer weissen Haut wenigsten ein Teint erahnen. Ins Meer baden gehen aber die Wenigsten, es ist unangenehm kalt. Ich schätze es so auf 16 – 17 Grad. Ich als steinharter Oberabenteurer habe mir natürlich ein Schwumm nicht nehmen lassen. Am Strand ist ein wildes Treiben von Menschen aller Arten und Formen zu beobachten. Familien, Einzelbackbacker, Muslimgruppen die ihr Picknicktuch nach dem Essen noch rasch auf Mekka ausrichten, und viele Pupertierende verweilen hier um sich von den strengen Schulstunden zu erholen – viele davon sind Sprachstudenten, Brighton ist als Sprachschulmekka bekannt. Wer etwas Aktiveres machen möchte, der zieht sich den Pier rein. imageDa hats ein langer Steg hier in Brighton, der weit ins Meer hinaus ragt. Darauf haben diese Verrückten einen ganzen Vergnügungspark gebaut! Ein Riesenrad, eine Geisterbahn und viele weitere verrückte Bahnen auf die ich nie gehe weils mir immer schlecht wird dabei. Weiter bauten die ein Restaurant und ein Casino auf diesen Pier. Wer auch immer auf diese Idee gekommen ist, sie ist verrückt, aber irgendwie toll. Da steh ich Abends zuvorderst auf diesem Steg, seh die Sonne im Meer verschwinden, höre das Kreischen der Teenies, die sich gerade eine Fahrt auf irgend einer Chilbibahn gönnen, und rieche den süssen Duft in der Luft, es könnten frische Donats sein. Vielleicht sind es aber auch die Nutella-Crepes. Es sind die Nutella-Crepes!, finde ich heraus noch während ich meiner Feinschmeckernase folge. Vor der Crepes-Bude steht gerade eine Gruppe von jungen, kopftuchtragenden Frauen, sie wirken irgendwie gut betucht, kommen wahrscheinlich aus Qatar oder so. Sie schauen dem Crepes-Mensch sehr genau auf die Finger, achten mit Habichtblick darauf, dass der Crepes-Mann auch ja genug Nutella auf die Crepes kleistert. Neben der Crepes-Bude, und ich bin immernoch mitten auf dem Pier, schabt grad ein türkischaussehender Mann das Kebabfleisch vom drehende Fleischbrocken. Die kulinarisch hochfliegende Döner-Welt hats also auch auf die Englische Insel geschafft. Ich spiele mit dem Gedanken,

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Brighton Pier

einen Kebab zu bestellen, sofort überkommt mich dabei so ein „bist du nun völlig durchgeknallt-Gefühl?“ Dann frage ich mich was sind die Alternativen? Fish und Chips, Fish und Chips, und, ach ja, Fish und Chips könnte ich ja auch essen. Es ist nicht nur ein Klischee, diese Engländer, vor allem hier an der Südküste, essen viel Fish und Chips. Meistens kann man zwischen drei Fischrassen auswählen, dazu gibts dann eben Chips, also PommesFrites. Dann kann man zwischen Tartarsauce oder Ketchup aussuchen. Die Engländer sind keine kulinarische Höheflieger. Kommt mir in den Sinn, sind es denn wir Schweizer? Ich meine was isst man typisch Schweizerisches zum Znacht? Einne Tonne Käse in eine Pfanne, voila. Oder dann schneidet man den Käse vor dem Schmelzen in Scheiben. Soo wahnsinnig kreativ ist das auch wieder nicht. Wie auch immer, ich bestelle nun einen Kebab, mit einem total guten Gewissen. Ich buche es unter Recherche ab, muss ja wissen wie die Kebabs hier sind. Ich mache mich schon auf die Frage „mit oder ohne Scharf?“ und „mit alles?“ gefasst. Vergebens. Nach kurzer Zeit drückt mir der Mann Massen an Kebabfleisch in eine viel zu kleine Baby-Brottasche gedrückt in die Hand. Kein Salat, keine Sauce, nur Fleisch, das überall runterhängt. Ein gesittetes Vertilgen ist nicht mal mit viel Kreativität möglich. Aber es passt irgendwie zu allem hier. Einfach etwas anders, verrückt auch, ich komme nicht mehr aus dem Schmunzeln heraus. Ich finde es grad sehr lässig hier zu sein. Ich finde „anders“ einfach suuuper.

Wieder dieses Gefühl

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Seven Sisters White Cliffs, Seaford, England

Die Südküste Englands ist wild, überall hats hohe Kliffs. Es sind spektakuläre Landschaften hier. Inzwischen bin ich weitergereist, mit dem Velo von Brighton den Kliffs entlang nach Seaford geradelt. Bis zu den „Seven Sisters White Cliffs“, der Wahninn! Das etwas lästige an den Kliffs, es geht rauf und runter und rauf und runter. Vorbei an Windmühlen, unendlichen Schafweiden, jeder Aufstieg wird mit einem Ausblick belohnt, das gibts gar nicht. Und, es ist heiss, immer wieder kühle ich mich im Meer etwas ab. Das hier in England!! Schon auf dem verrückten Pier in Brighton ist diese Reisefreude wieder aufgekommen. Es ist so ein Kribbeln im Bauch, wie verliebt, einfach anders. So ein aufgeregtes Gefühl, eine Entdeckungslust. Ich bin inzwischen in Hastings, ein typisch englisches Fischerstädtchen. Hier muss man kreativ sein, wenn man eine Fish und Chips-Bude eröffnen will, denn alle möglichen Restaurantnamen sind bereits vergeben: „The smiling fish“, „Fishermans“, „Happy Fish“, „The fishers home“… wäre noch weit zu führen diese Liste. Hastings liegt sozusagen in einem bis zum Meer ragenden Thal zwischen hohen Kliffs. Die steilste Schienenseilbahn Grossbritaniens bringt einem nach oben. Ich laufe am Kliff entlang, rechts die Weiten des Meeres, der Abgrund der Klippe, natürlich abgesperrt durch einen Hag. Und links, stechend gründe Wiesen, kleine Seen, Wälder. Wiedermal bin ich voll geflasht. Es ist etwas vom Schönsten was ich je gesehen habe. Ich bin wieder tief drin, im Reisefieber.

Darum breche ich bald wieder auf, in die Ferne: Thailand, Myanmar, und vielleicht noch weiter nach Laos, Kambodscha, Malaysia und Indonesien. Am 15. September gehts los. Ich komme also nur kurz zurück in die Schweiz. Ich habs ja gesagt, dieser Blog findet seine Fortsetzung. Hier ist sie, und ich freue mich wie ein kleines Kind darauf 🙂

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